Beisserei - wie wuerdet ihr reagieren? :: Was sonst nirgends passt

Beisserei - wie wuerdet ihr reagieren?

von Heidrun(YCH) am 18. September 2001 08:36

Hallo Antje,

bei allem Respekt für Lind, dessen Arbeit ich sehr gut kenne, sieht er das zu einseitig. Und die "Eskalation" kann unterschiedlich aussehen - wird nur kurz ein "ernster Rangordnungskampf" draus, kann das mit maximal ein paar kleinen Schrammen abgehen. Packt aber ein Hund - wie die von mir geschilderte Dobermannhündin eher aus dem Rennspiel im Nacken zu, faßt und beutelt - dann ist der Kleine tot (das ist nicht theoretisch - sondern Erfahrung). Das ist ein Beuteverhalten und so nicht normal - und selbst wenn es normal ist, muß man Vorsorge treffen. Darum und um nichts anderes ging es. Auch daß sie z.B. bei größeren Hunden "herzhaft" ein Maul voll aus dem weichen Bauch nimmt (sprich, gefährliche offene blutende Wunden) ist ein Verhalten aus dem Bereich Beute aufreißen. So normal ist das nun wieder nicht. Und da lobe ich mir einen verantwortungsvollen Besitzer, der es nicht drauf ankommen läßt, ob sein Hund heute mal gerade zugreift oder nicht, sondern, der - auch wenn es "nur alle paar Wochen vorkommt" Schlimmeres im Vorfeld verhindert.

Beste Grüße
Heidrun

von Heidrun(YCH) am 18. September 2001 08:40

Hallo Attila,

die von Dir geschilderten Verhaltensweisen kenne ich leider auch reichlich. Wenn nur jeder so aufmerksam wie Du unterscheiden würde, ob es eben nur ein heftiges Spiel ist, oder ob Gefahr daraus werden kann. Deine Hunde sind insofern eben nicht gefährlich, als Du ihr Verhalten kennst und Vorsorge triffst. Leider mußte bei uns im Hundeauslaufgebiet erst kürzlich ein 15jähriger Kleinhund schwerstens verletzt (gebeutelt, Bauch aufgerissen) in die Klinik eingeliefert werden (keine Ahnung, ob er überlebt hat), weil der Besitzer eines 2jährigen Gebrauchshundes trotz Einwendungen des Besitzers des alten Hundes (15 Jahre!) meinte, seiner wolle eben spielen. Der alte humpelte ängstlich weg - das wars dann....

Danke, daß Du hilfst, auf diese Feinheiten aufmerksam zu machen.

Viele Grüße
Heidrun

von Antje(YCH) am 18. September 2001 08:51

Hallo Heidrun,

ich stimme Dir in allem zu. Wollte nur herausstellen, daß es immer noch Leute gibt, die einen "Der-will-nur-Spielen" an der Leine haben, nichtwissend, daß es bei einem mental gleich starken Partner, der im Spiel nicht nachgibt, zur Eskalation kommen kann, ausgehend von beiden Seiten, auch dem eigenen Hund. Das Verhalten des Dobermannbesitzers finde ich absolut korrekt. Ich selbst besitze eine junge, sehr dominante Hündin, die ich zur Zeit (da noch nicht richtig ausgebildet) nur mit Hunden spielen lasse, die ich kenne und von denen ich weiß, sie sind ihr klar über- oder unterlegen, so daß die Sache wirklich im Spiel abgeklärt wird und die Gefahr der Eskalation möglichst klein ist. Bei einem fremden Hund kann ich die Lage nicht einschätzen und da ich mir nicht sicher bin, daß ich die Hündin in ihrem derzeitigen Ausbildungsstand jederzeit abrufen kann, werden Spielaufforderungen fremder Hunde momentan von mir abgelehnt.

Viele Grüße

Antje

von JanaL+P(YCH) am 18. September 2001 10:09

Hallo Heidrun,

also, ich muss zugeben, ich sehe das nicht ganz so extrem wie du. Ich hoffe immer noch, dass der blöde Spruch des Hundehalters einfach nur eine Abwehrreaktion war. Alle waren aufgeregt - und vor allen Leuten wurde ihm ein Vortrag darüber gehalten, wie er sich hätte richtig verhalten müssen. Aus diesem Grund werde ich heute Abend anrufen und in Ruhe mit ihm sprechen.

Ich halte es, wie schon erwähnt, nicht für soooo ungewöhnlich, dass die Hündin in der beschriebenen Situation nicht aufhören wollte. Vielleicht fand sie es auch toll, dass Herrchen mit ihr "einer Meinung war" (unter dem Motto: SPITZE - den machen wir gemeinsam fertig!).

Was mir immer wieder aufstößt bei einigen Meldungen ist der Vergleich Hund - Kind. Die Hündin war, wie die meisten Pits, AmStaffs und Staffs ein ausgesprochener Menschenfreund, soweit ich das beurteilen kann.

Ich bin optimistisch, was das Gespräch heute Abend angeht. Dem Plastic geht es inzwischen besser, nur Treppen nach unten kann er nicht laufen. Gestern ist er schon wieder hinter seinem Fuchsfell-Dummy her gelaufen. Die Schwellung des Beines ist deutlich zurückgegangen.

Liebe Grüße

Jana, Liza & Plastic

von Heidrun(YCH) am 18. September 2001 11:04

Hi Antje,

diese Haltung finde ich gut, zumal es für Deinen Hund auch weniger stressig ist, mit bekannten "Kumpels" zu spielen; denn wenn der Hund jeden Tag mit x neuen Artgenossen spielt, wird auch jedesmal die Rangordnungsauseinandersetzung herausbeschworen, was eben auch an den Nerven zehrt und auch evtl. die Rauflust schüren kann, da sie ständig herausgefordert wird (oder bei schüchternen Tieren, die dann immer und immer wieder unterworfen werden, deren Selbstbewußtsein arg erschüttern kann, was ihnen auf Dauer auch nicht gut tut). Ranghöchster oder Rangniedrigster unter lauter bekannten Artgenossen zu sein, ist dagegen weit weniger stressig. Sehr schön stellt diese Ambivalenz zwischen Spiel und Streß Anders Hallgren in seinen Büchern dar. In Dörfern, wo man (wie ich früher) eh immer nur die gleiche Anzahl Hunde trifft, war dies nicht weiter wichtig - früher oder später ist dort alles geregelt und die seltenen fremden dienen dann zur Auffrischung der sozialen Fähigkeiten. Aber wenn man in der Großstadt wohnt, wo im Hundeauslaufgebiet pro Spaziergang bis zu einer 3stelligen Zahl Hunde getroffen werden können, davon oft die meisten fremd, stellt es fast ein Wunder dar, wie sich die Hunde dennoch arrangieren (obwohl manche Leute füttern, Bällchen werfen etc). Aber man tut einem Junghund eventuell besseres, wenn man ihn regelmäßige geordnete Kontakte erlaubt wie Du, als wenn man ihn jeden Tag diesem Ansturm aussetzt.

Alles gute weiterhin mit Deiner Hündin!

Viele Grüße
Sunny

von Heidrun(YCH) am 18. September 2001 11:13

Hi Jana,

alles Gute weiterhin an Plastic - er scheint wie mein Arco zu sein: beim Spiel sind alle schlimmen Schmerzen vergessen. Steck aber den Ball lieber noch ein paar Tage weg - etwas Bewegung ist zwar gut, auch daß die Stoffwechselprodukte abgetragen werden, die durch die Beißerei anfallen, aber Sprints nach Bällen etc. können neue kleine Verletzungen hervorrufen, die die Heilung verzögern. Allerdings findet Arco auch immer trotzdem wieder eine Gelegenheit, die es ihm wert scheint, loszurasen - er wurde trotzdem immer wieder gesund ;-))))

Ok, wenn der Mann dort so in Bedrängnis war, hat er sich vielleicht wirklich verteidigen müssen. Du wirst ja beim Telefonat merken, was für ein Typ er wirklich ist. Unterhalte Dich etwas länger mit ihm, dann stellt sich das schon raus. Hier kann man sich nur abstrakt äußern. Und natürlich mußt Du Deinen Eindruck von ihm selbst gewinnen. Wenn er sich doch als verantwortungsvoll herausstellt, ist eine Anzeige natürlich nicht nötig. Das ist einfach - wie ich meine - das wichtigste. Vielleicht kannst Du ihm eine nette Hundeschule (kein "Hau-Ruck-Platz", da wird der Staffi nur verdorben) in Eurer Gegend empfehlen, wo er vor allem üben kann, seinen Hund wieder zur Ruhe zu bekommen (von innen heraus, nicht mit Gewalt) und zu regulieren.

Weißt Du, ich bin einfach deshalb so vehement, weil ich inzwischen in wenigen Jahren hier in Berlin viel mehr schlimme Beißereien, die ungeregelt blieben, erlebte, als mein gesammtes Leben zuvor in kleinstädtischem und dörflichen Millieu. Nicht daß dort nichts passiert wäre - ganz im Gegenteil, ein streunender Hofhund kann eine echte Gefahr darstellen und z.B. die Rüden untereinander sind viel heftiger. Aber die Besitzer sind eben auch ganz selbstverständlich etwas anders - jeder verantwortet ganz selbstverständlich seinen Hund, während hier oft nur der eigene Hund gesehen wird und vergessen wird, daß Hundeliebe sich auf alle beziehen sollte. Also nichts für ungut - der Einzelfall ist relevant und jemanden, der Verantwortung zeigt, würde ich niemals anzeigen!

Ich drücke Dir die Daumen, daß alles gut läuft.

Viele Grüße
Heidrun

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