Gschichte einer Hündin aus Massenzucht :: Was sonst nirgends passt

Gschichte einer Hündin aus Massenzucht

von Anneke(YCH) am 06. Juli 1999 07:51

Diese Geschichte ist der Juniausgabe 1997 der Dalmatinerpost entnommen.
Die Dalmatinerpost ist die Vereinszeitschrift des Deutschen Dalmatiner-Clubs von 1920 e.V.

(jetzt von der Website des Damatinertreffs):



Hundevermehrer
- eine Geschichte zum Thema -



Jetzt bin ich berühmt

Heute wurde ich geboren. Eins von zehn. Mein Vater war sehr berühmt. Ich habe eine Menge Halbbrüder und -schwestern. Meine Mutter ist sehr berühmt.
Seit sie berühmt wurde, hatte sie immer nur Welpen. Keine liebende Hand, keine lustigen Ausflüge . . . nur Welpen. Sie ist immer sehr traurig, wenn sie von
ihr weggehen.

Heute verließ ich mein Heim. Ich wollte nicht weg, deshalb habe ich mich hinter meiner Mutter und drei übrigen Geschwistern versteckt! Ich mochte dich
nicht. Aber sie sagten, ich würde eines Tages berühmt sein. Ich frage mich, ob berühmt das gleiche ist wie Spaß und gute Zeiten? Du hast mich aufgehoben
und weggetragen, obwohl es Dich gestört hat, daß ich mich vor dir versteckt habe. Ich glaube nicht, daß Du mich mochtest.

Mein neues Heim ist weit weg. Ich bin verstört und ängstlich. Mein Herz sagt: Sei tapfer. Meine Verwandten sind es auch. Ob sie auch in gute Hände kamen
wie ich? Ich bin hungrig, weil zuviel essen schlecht für meine Knochen ist. Ich kann nicht beißen oder schnappen, wenn die Kinder gemein zu mir sind. Ich
laufe einfach weg und spiele und tue so, als ob ich auf einer großen Wiese bin mit Schmetterlingen, Rotkelchen und Fröschen.

Ich weiß nicht, warum sie mich treten. Ich bin still, aber der Mann schlägt mich und sagt laute Dinge. Die Frau gibt mir keine guten Sachen, wie ich sie bei
meiner Mutter hatte. Sie wirft nur trockenes Futter auf den Boden und geht weg, bevor ich nah genug zum Berühren und Schmusen kommen kann.
Manchmal riecht mein Futter schlecht, aber ich esse es trotzdem.

Heute bekam ich zehn Welpen. Sie sind so wundervoll und warm. Bin ich jetzt berühmt? Ich wünschte, ich könnte mit ihnen spielen, aber sie sind so klein. Ich
bin so jung und verspielt, daß es schwer ist, hier in dem Loch unter dem Haus zu liegen und meine Welpen zu säugen. Jetzt weinen sie. Ich zerkratze und
zerreiße mein Fell. Ich wünschte, jemand würde mir etwas Futter hinwerfen. Ich bin auch sehr durstig.

Jetzt habe ich nur noch acht. Zwei wurden während der Nacht kalt und ich konnte sie nicht warm machen. Sie sind tot. Wir sind alle sehr schwach. Vielleicht
können wir etwas Futter bekommen, wenn ich sie auf die Veranda trage?

Heute haben sie uns weggeholt. Es war zuviel Aufwand, uns zu füttern und jemand kam, um uns zu holen. Jemand schnappte meine Welpen, sie weinten und
winselten. Wir wurden in einen Lastwagen mit Boxen getan. Sind meine Babies jetzt berühmt? Ich hoffe es, denn ich vermisse sie. Sie sind weg.

Der Ort riecht nach Urin, Angst und Krankheit. Warum bin ich hier? Ich war genau so schön wie meine Verwandten. Ich bin hungrig, schmutzig, in Panik
und unerwünscht. Vielleicht das Schlimmste, unerwünscht zu sein. Niemand kam, obwohl ich lieb zu sein versuchte.

Heute kam jemand. Sie legten mir ein Band um den Hals und führten mich zu einem Raum, der sehr sauber war und einen glänzenden Tisch hatte. Sie hoben
mich auf den Tisch. Jemand hielt mich und streichelte mich. Ich fühlte mich so gut!!! Dann fühlte ich mich müde und lehnte mich hinüber zu demjenigen, der
mich gestreichelt hatte.

Jetzt bin ich berühmt: Heute hat sich jemand um mich gekümmert.


von Blue(YCH) am 07. Juli 1999 13:59

Hallo,

Danke für diese grausige Geschichte! Und da gibt es noch immer Menschen, die in Zoogeschäften Tiere kaufen. Oder von Hinterhöfen, aus Badewannen und sonstwo.
Alle wollen die armen Welpen retten, viel Geld sparen (im Vergleich zum VDH-Hund) und keiner denkt an die Hündin, die gedeckt wird bis sie umfällt! Anbei der Link zum Dalmatiner-Treff, woher die Geschichte stammt!

Blue

von Gesa(YCH) am 08. Juli 1999 22:49

Sehr traurige Geschichte, Anneke...

Auch ich habe eine "berühmte" Hündin bei mir aufgenommen. Viele werden nun denken: wieder eine, die aus Mitleid unbewußt die Massenzucht unterstützt... Nein, ganz im Gegenteil! Ich habe sofort, nachdem ich diese Hündin (durch Zufall) sah, unser zuständiges Vet.Amt informiert, welche auch Tags darauf dort waren, und das ganze Elend "auflösten".

Meine Berner Sennenhündin, ich habe sie nun 1 Jahr, war derzeit 6 1/2 Jahre alt, hatte bereits 6 Würfe und war 8 mal gedeckt...
Ich werde nie diesen Anblick auf dem "Hof" vergessen.

Ich kann wirklich nur jeden auffordern, nicht wegzuschauen, wenn er mal sowas sieht. Meine Hündin Dankt mir jeden Tag mit ihrer freundlichen, lieben Art und fühlt sich mit meinen beiden Border Collies wie neugebohren...

By the way: ein dickes Lob an die "Rescue - Gruppen" der Rassehunde Clubs. Uns hat der Schweizer Sennenhund Verein sehr unterstützt!

von Mario(YCH) am 09. Juli 1999 00:32

Hi Gesa,

Du kommst mir wie gerufen, letzten Sonntag haben wir eine ziemlich verwahrloste, jack-Russel Hündin, mit nur einem Ohr gefunden, leider hat mein Schwager sich in die Geschichte eingemischt und den "Besitzer ermittelt. Als dieser zu uns kam hat die Hündin sich gleich versteckt und wollte nicht zu ihm. Daraufhin erklärte er, das sie seine Zuchthündin wäre und im Nachbarort von ihm in einem Pferdestall lebt, deshalb wolle sie natürlich bei uns bleiben. Da die Hündin, nach seiner Aussage, erst morgens weggelaufen war, wir sie aber total kotverschmiert gefunden haben und das Ohr angeblich beim Deckakt abgebissen wurde, fanden wir die Sache doch ziemlich finster. Darum habe ich auch beim Veterinäramt nachgefragt und dort Anzeige erstattet. Da du so eine Geschichte schon erlebt hast, wäre ich dir sehr Dankbar, wenn du mich darüber Informieren könntest, wie so eine sache weiter abläuft.

Viele Grüße

Mario

von Gesa(YCH) am 09. Juli 1999 00:51

Hallo Mario,

schön, daß Du Dich auch weiterhin kümmern willst.

Was als erstes mal sehr wichtig wäre: Habt Ihr den Hund fotografiert? Das ist immer das erste, was man tun sollte. Ich sollte das für das Vet.Amt machen und auch den Hund "vermessen", also Daten aufnehmen wie Größe, dazu das Gewicht etc...

Dann solltet Ihr auf jeden Fall hartnäckig am Ball bleiben! Fragt beim Amt nach, was aus dem Hund geworden ist. Nicht jedes Vet.Amt ist so super kooperativ wie unseres. Manche wollen sich keine Feinde schaffen, oder sich Probleme zulegen, oder haben genug damit zu tun, die Kaffepausen zu genießen! Leider ist unsere Gesetzesgebung nicht so optimal, d.h. ist der Hund nicht gerade halb tot, wird nichts unternommen.
Was passieren wird ist folgendes: Normalerweise wird der Amtsvet. rausfahren, zu diesem "Züchter", um sich vor Ort einen Einblick zu verschaffen. Ist er nicht sonderlich motiviert, wird er sich mit einem Spruch wie: Der Hund ist in tierärztlicher Behandlung. abspeisen lassen.
Ist er ein wenig auf Zack, wird er sich auch noch die Haltungsbedingungen ansehen. Ich befürchte jedoch, daß da nicht viel passieren wird. Ihr werdet jedoch nicht über den weiteren Verbleib des Tieres informiert, es sei denn, Ihr kümmert Euch selber darum...

Willst Du Dich mehr für das Tier einsetzen? Dann gibt es noch einige Möglichkeiten...

Liebe Grüße Gesa


von Anneke(YCH) am 09. Juli 1999 07:29

Hallo Gesa,

auch hier in unserer Nähe ist ein Züchter, der mir ein Dorn im Auge ist. Er züchtet (vermehrt) acht versschiedene Rassen darunter Labrador, Mops, Mastiff(!) und der stark ingezüchtete Berner Sennen. Viele Hunde aus dieser Zucht haben HD, ED oder Deprivationsschäden, aber da sie gepflegt und gefüttert sind, die Grösse der Zwinger "artgerecht" ist, haben die Leute eine weisse Weste. Sie haben außerdem auch Papiere eines hier ansässigen Rassehundeclubs, wertvolle Zuchttiere!!! Eine Freundin arbeite dort eine kurze Zeit als Junghundtrainerin, sie kümmerte sich um die Prägung der im Zwinger lebenden Welpen. Sie wurde aber schnell nicht mehr bezahlt, ist ja schließlich auch nicht so wichtig. Einschreiten kann man meist erst, wenn Tiere verwarlost oder verhungert sind, wenn viele schon lange gelitten haben.

Viele Grüße, Anneke

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