Mittlere Reizschwelle = Gefährlich ??? :: Was sonst nirgends passt

Mittlere Reizschwelle = Gefährlich ???

von Tanja(YCH) am 03. März 2000 11:55

Hallo Antje,

Deine Ausführungen sind sehr interessant. Ich persönlich habe 2 Jahre lang nur Huindebücher gelesen, bevor ich mir meinen Hund anschaffte, trotzdem waren mir Deine Ausführungen über die 4 Typen gänzlich unbekannt, da in keinem meiner Bücher in dem sinne aufgeführt. Also habe ich nicht die "richtigen" Bücher gelesen. Das Problem ist nur, daß in den Buchläden an den REgal nicht dran steht, welches das richtige ist. Man sollte also nicht pauschalisiert die Besitzer verteufeln, daß sie sich nicht genau erkundigt haben (auch wenn ich selbst staune wie viele menschen sich offensichtlich absolut ahnungslos einen Hund anschaffen).

Nun aber meine Frage an Dich: Ich würde meinen Rüden definitiv dem Bild des Cholerikers zuordnen. Du schreibst, es käme bei diesen Hunden auf die richtigen Haltung-, Umgangs- und Erziehungsumstände an. Wie sehen diese denn idealerweise aus?

Würde mich sehr über eine Meldung von Dir freuen.

Tanja

von Antje(YCH) am 03. März 2000 11:53

Hallo Martin,

: Also, das ist mir zu theoretisch! Sicher kann ich mit allem möglichen
: psychologischen Geschick einiges erklären. Alles aber nicht.

In der Ausbildung und vor allem in der Zucht ist es aber wichtig, die Nerventätigkeit eines Hundes zu erkennen. In der Ausbildung passen nicht alle Nerventypen von seiten des Hundeführers und des Hundes zueinander, manche Typen beiderseits sind nicht für jede Aufgabe geeignet. In der Zucht sind Überlegungen, welche Zuchtpartner in bezug auf ihre Nerventätigkeit zusammenpassen, elementar.


: Trotz hoher Hemmschwelle kann man für keinen Hund die Hand ins Feuer legen.

Da hast Du ganz recht, Reaktionen eines Lebewesens hängen ja nicht ausschließlich von seiner nervlichen Veranlagung ab, sondern sind i.d.R. situationsbedingt. Aber es gibt große Unterschiede, wie einzelne Typen reagieren können und wer sich ein bischen mit der Typklassifizierung beschäftigt bekommt mit der Zeit ein Auge für brenzlige Situationen, was ja gerade in Bezug auf die Resozialisierung von Problemhunden ganz hilfreich sein kann.


: Ich hatte bisher schon einige Hunde und ich hat nicht interessiert, ob sie den 4
: menschlichen (! und die PSycho weist immer wieder darauf hin, daß es sich hier nur
: um ein Eingruppierung von Menschen handeln darf) Charakteren handelt oder nicht.

Da muß ich Dir widersprechen. Meiner Meinung nach ist es egal, um welches Lebewesen es sich handelt, da sich die Pawlow'sche Typklassifizierung auf Erregungs- und Hemmungsprozesse innerhalb des Körpers bezieht, die chemisch und physikalisch gesteuert werden. Und da ist es egal, ob es sich um einen Menschen, einen Hund oder einen Affen handelt.

Wichtig wird diese Klassifizierung, wenn es Probleme gibt. Manchmal passen bestimmte Hunde- und Hundeführer-Charaktere nicht zueinader. Choleriker + Choleriker ist eine ungünstige Konstellation, Choleriker + Melancholiker ist bestimmt auch nicht problemlos. Um Probleme zu lösen, muß man erst einmal die Ursachen erforschen. Das bedeutet auch ,daß der Hundeführer u.U. stark an sich selbst arbeiten muß, denn dem Hund fehlt dazu die Einsicht; für ihn ist sein Handeln immer richtig. Im Diensthundebereich kann man oftmals erleben, daß ein Hundeführer mit einem Hund große Probleme hat. Werden die Hunde getauscht und z.B. der Choleriker-Hund bekommt einen Phlegmatiker- oder Sanguiniker-Führer, lösen sich Probleme manchmal in Luft auf. Genauso kann ein sanguinisch veranlagter Hundeführer mit einem Hund mit phlegmatischen Tendenzen Leistungen erbringen, wovon ein phlegmatischer Hundeführer zuvor nur träumen konnte.

Oftmals suchen sich die Leute ja aus dem Bauch heraus den Typ Hund aus, der zu ihnen paßt. Ich habe noch niemals im Leistungssport ein erfolgreiches Team gesehen, daß sich typmäßig gegenseitig behindert hat, z.B. Choleriker + Choleriker. So Konstellationen gibt es eher dann, wenn man sich aufgrund von äußeren Merkmalen einer Rasse bei der Anschaffung beeinflussen läßt, ohne sich über deren und vor allem der eigenen Nerventätigkeit im klaren ist.


: Jeder Hund hat natürlich eine Grundstimmung (vielleicht können wir uns auf dieses
: Wort einigen), die aber tatsächlich von Situation zu Situation und von Tag zu Tag
: gravierend ändern kann.

Die Literatur gibt uns genug Lesestoff zu dem Thema, warum also von den dort gebräuchlichen Begriffen abweichen? Die "Grundstiummung", wie Du sie nennst (ich nenne sie "Nerventätigkeit"winking smiley, kann sich auch nicht von Tag zu Tag gravierend ändern, höchstens die äußeren Umstände, die einen Hund zu seinen Reaktionen veranlassen. Die Nerventätigkeit wird beeinflußt durch chemisch und physikalischgeregelte Erregungs- und Hemmungsprozesse und ist unter anderem, ich erwähnte es schon, abhängig von der Dicke der Hirnrinde. Sie ist nur schwer manipulierbar. Zwar kann man cholerisch veranlagte Menschen psychologisch schulen und cholerisch veranlagten Hunden beibringen, sich zu beherrschen, aber das müssen sie beide erst lernen.


: Wichtiger ist es, den Hund die Grundbegriffe eines Miteinander-mit-Menschen
: beizubringen...

Das eine soll das andere ja auch keinesfalls ausschließen. Nicht nur die Genetik, auch die Prägung ist wichtig!


: Besser als all dieses psychologische Gesuse ist es aber, den Hund als das zu
: akzeptieren, was er ist: ein domestiziertes Raubtier, das sich auch manchmal den
: Willen seines Besitzers widersetzt.

Da gebe ich Dir vollkommen Recht. Aber geht nicht beides? Die psychischen Grundzüge seines Hundes (und auch die eigenen) zu analysieren und den Hund in einer artgerechten Art und Weise als andersartigen Partner zu betrachten?

: Liebt eure Hunde, geht mit ihnen genügend raus und beschäftigt sie, das bringt mehr
: als das Darüber-Nachdenken, was es für Typen sein könnten und ob sie überfordert
: sind, wenn sie einen Reif von einem Ball unterscheiden sollen. ES SIND KEINE
: MENSCHEN, SONDERN EURE TIERE!

Auch hier schließt das eine das andere nicht aus, oder? Ich kann meinen Hund trotzdem wie einen Hund behandeln, nicht wie einen Menschen, obwohl ich erkenne, daß es ein Sanguiniker mit teilweise phlegmatischen Tendenzen ist, oder?


: Also über sowas könnte ich mich aufregen, wenn ich nicht so phlegmatisch wäre!

*grins* Bei einem Phlegmatiker wäre die Reizschwelle jetzt aber noch nicht überschritten gewesen. Also doch eher ein Sanguiniker mit mittlerer Reizschwelle...

Viele Grüße mit manchmal cholerischen Tendenzen

Antje

von Antje(YCH) am 03. März 2000 11:57

Hallo Sarah,

ich arbeite selbst teilweise mit Boxern, bin auch mit ihnen aufgewachsen, und zähle den Boxer wie den Rottweiler zu den Schutz- und Gebrauchshundrassen, nicht zu den Molossern. Ihre Zuchtauswahl tendiert eindeutig zum Sanguiniker mit Veranlagung und Zuchtauswahl zur Schutzhunde- und Polizeiarbeit. Zu den Molossern zählen für mich vorwiegend Rassen wie der Mastiff/Bullmastiff, Bordeux Dogge, Mastino usw., also die wirklich klassischen Rassen.

Viele Grüße

Antje

von Antje(YCH) am 03. März 2000 11:59

Hallo Tanja,

ich melde mich dazu am Montag, da mir jetzt die Zeit knapp wird.

Viele Grüße

Antje

von andreas(YCH) am 03. März 2000 17:28

Hallo Antje,

schön, wenn mal ein paar grundlegende Begrifflichkeiten klargestellt werden, die -wenn überhaupt: siehe Temperament- oft völlig undifferenziert: siehe Aggression-, verwendet werden.

Hinsichtlich der Temperamente möchte ich noch herausstreichen, dass nur der Choleriker und der Melancholiker die beiden extremen Enden des Spektrums darstellen. Sanguiniker und Phlegmatiker aber beide einen mittleren Typus ausgeglichener Hunde darstellen. Der eine von beiden ist halt lebhafter, der andere ruhiger. Nur damit niemand denkt, sein vierbeiniges Phlegma sei nicht normal oder gar eine Randerscheinung....


:

:
:Auf der zwischenartlichen Aggression (bezogen auf Beute oder Feind) basiert der Beutetrieb und das Terretorialverhalten,

Hier muß ich aber mal eine Anmerkung hinsichtlich der zwischenartlichen Aggression machen: Diese mag gegeben sein wenn es um den Kampf gegen Futterkonkurrenten geht. Ich glaube aber nicht, dass der Hund in Bezug auf seine Beute Agression an den Tag legt oder der Beute gegenüber gar aggressives Verhalten an den Tag legt. Der Hund mag die Beute zwar hetzen und möglicherweise auch fressen (meist eher nicht), mit Aggression hat das aber meines Erachtens nichts zu tun.

Viele Grüße,

andreas

von andreas(YCH) am 03. März 2000 17:42

Hallo Antje,

ich kann dann bei einzelnen Sätzen in Deinen Ausführungen kaum glauben, dass Du in Anbetracht Deiner offenkundig vorhandenen Kenntnisse derartig blauäugig auf Rassestandars und Zuchtvorgaben vertraust. Alle Rassestandards und Zuchtzulassungsvoraussetzungen haben nicht verhindert, dass fast bei jeder Rasse früher oder später Degenarationserscheinungen aufgetreten sind. Weil Du den DSH ansprichst: (ich will jetzt den DSH weiß Gott nicht gegenüber anderenherausheben: wir kennen doch wirklich jeder die "Fließheckmodelle", die für den natürlichen Bewegungsablauf eines Caniden, ganz zu schweigen von seiner gesundheitlichen Konstitution eine völlig kontraproduktive Entwicklung darstellten. Wenn dies auftreten kann, weshalb soll es dann im Bereich der Wesensentwicklung ausgerechnet ausbleiben?

Vielleicht sollte man sich mal einen ganz anderen Gedanken durch den Kopf gehen lassen: Zu Zeiten, in denen Hunderasse zu einem bestimmten Gebrauch verwendet und gezüchtet wurden, sind diese Rassen eine gewisse Zeit nach Wegfall des Gebrauchszwecks einfach verschwunden (Beispiel Irischer Wolfshund. Heute bestehen sie -bisweilen mit allerlei Hilfestellung der Tiermedizin- fort.

Ich glaube nicht, dass irgendein Rassestandard dieser Welt verhindert, dass eine Hunderasse bei Fehlen eines bestimmunsgemäßen Gebrauchs auf Dauer nicht unbeschadet fortbestehen kann.

Viele Grüße,

andreas


Vor die Zucht (mit Ahnentafeln) haben die Götter die Zuchtzulassungsprüfungen gesetzt.
:
:
: : Ich finde man müßte geforderte Merkmale und tatsächlich vorhandene Merkmale
: : etwas genauer differenziert werden.
:
: Was genau meinst Du damit?
:
:
: : Wenn es so wäre wie Du schreibst gäbe es nur unkomplizierte perfekte Hunde ...
:
: Wenn die Menschen alles richtig machen würden ja ...
:
:
: : ... und wie wir alle wissen, lassen sich geforderte Wesensmerkmale auch ganz
: : schnell ins negative verändern indem der Hund negative Erfahrungen macht. Dann
: : kann tausendmal im Standard irgendwas festgehalten sein, es trifft auf diesen Hund
: : nicht mehr zu
:
: Wobei es hier auch ein Unterschied zwischen den einzelnen Nerventypen gibt. Der Melancholiker wird auf eine Falschbehandlung viel extremer reagieren als der Sanguiniker, bei dem es schon eine Weile braucht, bis sein Charakter verbogen ist. Ich sehe das immer wieder, wie manche Hunde auf ein einziges schlechtes Erlebnis reagieren (z.B. anhaltende Schußscheue, wenn sie einmal in Verbindung mit einem lauten Geräusch eine schlechte Erfahrung gemacht haben; beim Melancholiker sitzt das tief im Herzen, der Sanguiniker hat die Fähigkeit, so etwas nach kurzer Zeit zu überbrücken).
:
: Kein Standart der Welt kann etwas daran ändern, daß es Menschen gibt, die ihre Hunde, wissentlich oder unwissentlich, falsch behandeln, prägen etc. Aber die "mittlere Reizschwelle" ist bestimmt nicht schuld daran, wenn Unfälle mit Hunden passieren. Die Hunde, die ich persönlich kenne, mit denen wirklich etwas passiert ist, waren entweder klassische Melancholiker oder aber der Vorfall wurde durch die unendliche Dämlichkeit von irgendwelchen Leuten hervorgerufen.
:
: Viele Grüße
:
: Antje
:

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