1. Spaziergang - haben wir überfordert? :: Welpen - Junghunde

1. Spaziergang - haben wir überfordert?

von Silke(YCH) am 26. August 2000 06:23

Hallöchen!

Am gestern waren wir mit unserem Airedale-Welpen, der noch beim Züchter lebt (7 Wochen und 4 Tage alt) zum ersten Mal "Spazieren" (auf Vorschlag des Züchters hin).

Direkt neben dem Haus liegt eine Parkanlage, wir haben den Hund das erste Stück getragen (stark befahrene Straße, Gehweg zum Park recht schmal) und ihn dann im Park abgesetzt. Die Kleine trug zum ersten Mal ein Halsband und war das erste Mal angeleint. Ihre Rute hing ca. 10 Sekunden unsicher nach unten, dann leicht wedelnd steil aufrecht und los ging's - ein paar Schritte an der Leine (mit der sie spielte) dann Leine ab, ein paar Meter laufen, hinhocken, Hund rannte auf uns zu, spielen, streicheln - Hund wälzte sich wohlig auf dem Rasen, zupfte Gras, schnupperte, holte sich Stöckchen etc.. Dann wieder ein paar Schritte, wieder spielen und so weiter. Das ganze zog sich auf über eine Stunde hin..

Während des "Ausflugs" sah die Kleine zum ersten Mal Radfahrer, Eltern mit Kinderwagen, Lastwagen, andere, ausgewachsene Hunde. Ein Halter eines Berner Sennenhundes steuerte sofort auf uns zu und ließ seinen Hund auf die Kleine los, was ihr sehr unheimlich war - zum Schluß allerdings wollte sie dem Berner in die Ohren beißen und hielt seine Leine im Maul.

Auf dem Rückweg hat sie sich vor einem Motorrad (Chopper - blubberndes Geräusch) gefürchtet. Dabei bin ich stehengeblieben und als das Motorrad weg war, langsam weitergegangen.

Wieder zurück im "Welpenzwinger" wurde sie interessiert von den anderen 10 Welpen abgeschnuppert und schlief vor Müdigkeit danach fast augenblicklich ein.

War das zu viel des Guten? Hat sie vielleicht jetzt schon etwas falsch verknüpft (großer Hund, Motorrad), etc.?

Am 2.9. können wir die Kleine zu uns holen, bis dahin haben wir noch mindestens drei Termine beim Züchter, bei denen wir bestimmt noch mal mit ihr rausgehen können - sollten wir es dann besser kürzer fassen?

Hilfe! Eigentlich hatte ich die ganze Zeit den Eindruck, daß sie es genossen hat (außer den Berner Sennenhund am Anfang und das Motorrad), die Leine hat sie fast anstandslos akzeptiert und lief gut mit.

Für Ratschläge und Eure Meinungen bin ich dankbar!

Gruß
Silke



von Kathi & 3 Akita(YCH) am 26. August 2000 08:38

Liebe Silke,

eine Rat gebe ich Dir hier nicht.
Aber ein Welpe, der mit 7 Wochen noch keine Erfahrungen außerhalb der eigenen vier Wände (Zwinger?!) gemacht hat, reagiert ganz natürlich so!
Eigentlich ist es die Aufgabe des Züchters (des seriösen!) die Welpen schon in frühester Jugend (ab der 4 Woche) mit Umwelteinflüssen jeglicher Art behutsam bekannt zu machen. Dazu gehöhren kleine Ausflüge in die nähere Umgebung, Autofahren usw, usw .....

Grüße
Kathi

von Brigitte+Familie(YCH) am 26. August 2000 08:41

Genau das wollte ich auch grad schreiben

Brigitte und die Pelze, die in dem Alter das alles schon kannten.

von Kathi & 3 Akita(YCH) am 26. August 2000 09:00

Hallo Brigitte,

über solche Begebenheiten ärgere ich mich immer wieder. Meine Welpen waren alle im Alter von 8 Wochen mit sehr vielen Sachen vertraut. Autofahren war eine selbstverständlichkeit, Angst vor'm Staubsauger kennen die nicht und Kontakt zu Mensch und Tier stand auf dem Tagesprogramm.
Wer diese Zeit nicht in die Welpen investieren will, sollte die Finger vom "Züchten" lassen.

Grüße
Kathi

von Silke(YCH) am 26. August 2000 09:26

Danke Kathi, danke Brigitte!

Jetzt weiß ich zwar immer noch nicht, ob ich etwas falsch gemacht habe, dafür weiß ich aber, daß der Züchter alles falsch gemacht hat. Dadurch geht es mir allerdings auch nicht besser!

Ich habe mehrere Züchter besucht (schon bevor der Wurf da war) und habe mir die Haltungsverhältnisse angeschaut und den Züchter mit Fragen angebohrt.

Gut, der Züchter, für den ich mich entschieden habe, könnte bestimmt noch vieles besser machen, natürlich würde ich mir wünschen, daß der Hund schon mit 7 1/2 Wochen mit allen Bereichen vertraut ist. Der Züchter hat da in folgenden Bereichen "vorgearbeitet":

a) Die Hunde waren bis zur 5. Lebenswoche in der Wohnung und sind von daher mit Staubsauger, und anderen "Haushaltsgeräuschen" vertraut.

b) Die Hunde sind auf Zeitungspapier und Rasen/Sand zum "Lösen" geprägt

c) Die Hunde sind an Autogeräusche und andere Geräuschquellen (flatternde Mülltüten, raschelnde Zeitungen etc.) gewöhnt worden.

d) Die Hunde bekommen fast jeden Tag Besuch der zukünftigen Besitzer, Kinder der Nachbarschaft und der neuen Besitzer spielen regelmäßig mit ihnen.

e) Die Hunde leben seit der 5. Lebenswoche in einem Welpenhaus mit großem Freilauf (mit unterschiedlichen Böden), dort sind ein Tunnel, Spielzeug, Möglichkeiten zum Buddeln, Scharren, Verstecken, etc. gegeben.

f) Die Hunde werden regelmäßig auf den "Trimmtisch" gestellt, um sie an das Kämmen und später Trimmen zu gewöhnen

g) Die Züchterin verkauft zweimal Trimmen mit dem Hund zusammen um weiterhin "ein Auge auf die Welpen" werfen zu können und ggfs. eingreifen zu können.

h) Die Züchter (Ehepaar) gehen äußerst liebevoll mit den Kleinen um. Der gesamte Jahresurlaub ist bei den beiden für diesen Wurf draufgegangen. Es ist also immer jemand da.


Gut - Autofahren können die Kleinen noch nicht.
Spazierengegangen waren sie auch noch nicht.

Der gesamte Wurf ist super gut drauf, neugierig, verspielt, gar nicht ängstlich (wir konnten Wesenstest durchführen), auch die fremde Situation im Park hat die Kleine gut gemeistert und ich werde diesen Hund auf jeden Fall nehmen (habe kein schlechtes Gefühl, der Züchter habe die Welpen "versaut"winking smiley.

Deswegen hier noch mal meine Frage (und bitte: Auch wenn ihr es alles anders gemacht hättet - was ratet ihr mir?

- Sollte ich beim nächsten Mal kürzer mit der Kleinen rausgehen?

- Hat die Kleine durch die Begegnung mit dem Berner Sennenhund, bei der sie zuerst ängstlich, kurz danach verspielt war, einen Knacks gekriegt?

- Sollte ich in Bezug auf das blubbernde Motorrad zukünftig verstärkt arbeiten (Gewöhnung)?

Gruß und danke und beim nächsten Hund wird dann alles anders ...

Silke

PS. Natürlich ist es schön zu hören, daß es Züchter wie Euch gibt, die da ganz anders vorgehen, den optimalen Züchter hatte ich jetzt leider nicht gefunden und werde aber bestimmt mit Julchen (so soll die Kleine heißen) - ganz besonders intensiv arbeiten, damit sie ihre "Defizite" aufholen kann (Welpenschule ist schon besichtigt worden und der Kurs ist gebucht, Clickertraining wird angewendet, auch auf Anraten des schlechten Züchters hin werden wir mit Julchen am Anfang überall hingehen, Bus fahren, Aufzug fahren, in die Fußgängerzone, ins Einkaufzentrum, in den Tierpark mit Wildgehege etc.)






von Rosi(YCH) am 26. August 2000 09:46

Hallo Silke

Die Kleine scheint, im Nachhinein betrachtet, noch recht angstfrei zu sein (dem Alter, Rasse entsprechend).

Soweit ich mich erinnere, ist die Sehkraft in gewissem Sinne in diesem Alter noch nicht voll ausgebildet, die Umwelt wird noch leicht reduziert wahrgenommen. Ein guter Schutz vor Überforderung. Die zu früh gekauften Welpen in der Welpengruppe zeigten in dem Alter auch kaum Ängste. Diese Reaktionen kamen erst später.

Dass die Begegnung mit dem Berner so gut ablief (sie hatte die Gelegenheit, das anfangs unheimlichen Tier von seiner "netten" Seite kennenzulernen), war sehr wichtig.

Da aber recht schwer einschätzbar ist, wie belastbar ein Welpe ist, ist der Ausflug in den Park immer ein erhöhtes Risiko, solange der Hund Euch nicht kennt und vertraut. Ich nehme an, ihr habt eine eher ruhige Tageszeit gewählt?

Ich gehe gerne auf Nummer sicher und konfrontiere Welpen mit soviel Eindrücken erst, wenn er sich an meinem gleichgültigen Verhalten, bzw. gezielter Aufmunterung orientieren kann, somit habe ich noch eine Unterstützung in petto. Und wenn ich gesehen habe, wie der Kleine auf einzelne Eindrücke reagiert.

Der Punkt für mich ist: Was nützt es mich, wenn ich im Nachhinein feststellen kann, dass er überfordert war?

Nun ist Euer Welpe aber ein Airedale, die für ihre stoische Haltung der Umwelt gegenüber recht bekannt sind (kenne natürlich auch Ausnahmen, bis hin zur Panik beim Herannahen von fremden Hunden). Ein befreundeter Boxerzüchter hat immer Welpen aus Würfen gekauft, die eigentlich absolut keinen Kontakt hatten ausserhalb ihrer Anlage, ausser zum Besuch und eine daran vorbeiführende Seitenstrasse. Sie waren alle absolut unproblematisch mit der Umwelt. Allerdings werden diese Welpen auch nur in kleinen Schritten gewöhnt und haben meist Althunde dabei, die sich sehr sicher bewegen.

Grundsatzfrage ist: Willst Du das Risiko eingehen? Kann sich der Züchter nicht dazu überwinden, mit dem ganzen Wurf oder einigen mitzukommen inkl. Muttertier? Wegfahren mit dem Wurf und kleiner Ausflug?

Die Bindung zu Euch geht vor Konfrontation mit der Umwelt. Deshalb emmpfiehlt unsere Welpengruppen-Leiterin auch immer, den Hund frühestens nach 5 - 7 Tagen in die Gruppe zu bringen.

Hattest Du einen grossen Bruder für Ausflüge in Deiner Kindheit? Ich hatte einen yawning smiley)). Ich war in seiner Anwesenheit immer viel mutiger und ich bin überzeugt, den Welpen geht es genauso.

In Kürze kommt Eure Kleine ins Alter in welchem viele Hunde nicht mehr vom Haus weg wollen. Eine Vorsichtsmassnahme der Natur, welche die Kleinen so vor Gefahren schützt (Weglaufen vom Bau kann tödlich sein). Dies geschieht meiner Erfahrung nach meist bei Welpen, die eine schwache Vertrauensbasis zum Besitzer haben.

Ich selbst habe zwei ehemalige Zwingerhunde, die kaum mit Umweltreizen konfrontiert wurden im Welpenalter und wohne in der Stadt. Beide zeigen keine Ängste, die auf fehlende Sozialisierung, Konfrontation schliessen lassen. Kleinere Schreckerlebnisse konnten kurzfristig überwunden werden durch meine Haltung.

Was immer Du tust Silke, überlege Dir, wie weit Du gehen willst, wie gut Du die bevorstehenden "Konfrontationen" abschätzen kannst und wie hoch das Risiko ist, dass die Umwelt - eben fremde Hunde, Fehlzündungen bei Autos etc. - Dir da einen Strich durch die Rechnung macht. Auch die Rumzeigerei sobald man den Welpen hat ist sehr beliebt. Man geht zu vielen Freunden auf Besuch etc. Die meisten Welpen verkraften das blendend, allerdings entsteht dadurch oft ein ganz anderes Problem, das kaum einer als solches erkennt: Der Hund wird mit so vielen netten Menschen "sozialisiert", dass er nicht lernt, auf wen er sich verlassen kann und wird dadurch so selbständig, dass er bald einmal "Solotouren" macht, sprich: Im Zweifelsfall ER gegen den Rest der Welt und nicht, im Zweifelsfall "Besitzer und Ich".

Es gibt kein: Das ist optimal. Aber einen guten Mittelweg zu finden hängt von Dir, Deinem Freund und der Umwelt ab. Und vor allem in Deiner Fähigkeit einzuschätzen, wie die Umwelt für Deine Kleine wirkt.

Ich würde heute keinen Welpen mehr bei Gefahr von Konfrontationen mit mir unbekannten Hunden frei laufen lassen. Gerade beim Spaziergang eben wurde durch die Leine verhindert, dass ein junger Jack Russel wegrannte, weil er sich erschreckte. Er kam dadurch nicht in Gefahr, vom fremden Hund gehetzt (geschnappt) zu werden, drehte sich um, schätzte die Situation richtig ein und begann mit dem Fremden zu spielen. Der Besitzer blieb dabei locker als der Kleine ab durch die Mitte wollte.

Hingegen gebe ich dem Welpen öfters Gelegenheit mit mir bekannten Hunden zu spielen. Da wird dann auch mal ein Ruppig-Werden weggesteckt.

So Silke, jetzt höre ich auf, bevor ich hier noch ein Buch tippe yawning smiley))).

Grüss Dich
Rosi

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