Begleithundeprüfung oder Hundeführerschein? :: Hundeerziehung + Soziales

Begleithundeprüfung oder Hundeführerschein?

von Frieda am 02. Dezember 2009 10:06
Huhu,

naja dann habe ich wohl einen sehr unerzogenen Hund und die Rangordnung steht wohl vollkommen Kopf. Kann schon sein.
Aber bei meinem Hund ist alles ok. Mittlerweile rennt er auch nicht ständig der Fährte einer läufigen Hündin nach, aber begegnen wir einer, wirds einfach nur stressig. Zusammen mit der Dame spazieren gehen? Ne, unmöglich. Wüsste auch nicht, wie ich das weiter trainieren sollte. Der Herr hätte bei seinen überschießenden Hormonhaushalt frühzeitig kastriert werden müssen, da ich das nicht gemacht habe, hab ich schon einige Probleme mit ihm gehabt. Kann mir jedoch nicht vorstellen, dass es bei ihm nur an Rangordnung und Erziehung liegt. Wär ja zu schön... Aufgrund seines Alters würde ich ihn nur noch aus medizinischer Indikation heraus kastrieren lassen. Mit seinen Aussetzern ab und zu kann ich leben. Vielleicht kann man mit viel Erziehung und Konsequenz sowas hinbekommen, aber die einzigen zwei intakten Rüden, die ich kenne und dann wirklich noch komplett hören sind zwei aufm Boden kriechende Hunde, weil sie sooo viel Angst vor ihrem Besitzer haben. Ne, danke, dass wär es mir dann auch nicht wert.

LG Frieda

von Liesel am 02. Dezember 2009 11:32
Quote Frieda:
Vielleicht kann man mit viel Erziehung und Konsequenz sowas hinbekommen, aber die einzigen zwei intakten Rüden, die ich kenne und dann wirklich noch komplett hören sind zwei aufm Boden kriechende Hunde, weil sie sooo viel Angst vor ihrem Besitzer haben. Ne, danke, dass wär es mir dann auch nicht wert.

Na, so gedeckelt darf auch nicht sein, denn ein Deckrüde soll ja noch decken wollen! Und dass sie es versuchen, ist auch natürlich. Nur wenn man seinen Hund überhaupt nicht mehr bei sich halten und kontrollieren kann, dass man in so einer einfachen Prüfung wie dem Hundeführerschein durchfällt, ist die Ausbildung nicht fertig oder das Verhältnis im Team stimmt nicht.

Bezüglich Kastration stimme ich dir absolut zu, da finde ich Anleinen deutlich tiergerechter als die Amputation gesunder Organe, so lange keine vergrößerte Prostata oder Veränderungen an den Keimdrüsen im Spiel sind.

"Komplett hören", das wäre übertrieben, sicher orientieren sich seine Blicke zu dem Objekt der Begierde, die Konzentration auf mich ist gestört, aber ein Hund, der gelernt hat dass Gehorsam in hohen Trieblagen zum Triebziel führt, ist leichter zu händeln. Das geht über einen langen, konsequent eingehaltenen Weg viel besser als über Brutalität- wie alles in der Hundeausbildung.

Das Geheimnis dabei ist, dass der Hund Aggressionen leben darf, und zwar in einer für uns berechen- und kontrollierbaren Form. Testosteron ist nicht nur ein Sexual-, sondern auch ein Aggressionshormon wie Cortisol und Adrenalin. Den Familienhunden wird jedoch alles, was mit Aggression zu tun hat, genommen. Ich kenne Leute, die erlauben nicht einmal Zerrspiele weil sie meinen, das mache ihren Hund aggressiv. Dabi wäre es für alle Hunde besser, wenn wir für ihre Triebe ein alternatives Triebziel zur Kanalisierung und Kontrolle anböten.

LG, Liesel

von Ela am 02. Dezember 2009 12:33
r:: Liesel, du nimmst mir gerade jegliche Illusion r::

Ich dachte auch immer das meine beiden Nasen gut gehorchen, aber wenn ich das von deinem Rüden so lese, dann kann man wirklich neidisch werden. Hut ab!

Ich kenne allerdins auch kaum Hunde die so absolut im Gehorsam stehen. Wenn doch, dann ist es ihnen mit Gewalt reingeprügelt worden. Ich habe aber eh das Gefühl das hier auf dem Land wesentlich härter und brutaler mit den Hunden ( oder mit Tieren im Allgemeinen ) umgegangen wird.

In meinem Hundesportverein wo ich lange Mitglied war, war es sogar verboten mit einer läufigen Hündin an der Begleithundeprüfung teilzunehmen. In der Platzregel stand sogar wörtlich: Verseuche nicht mit deiner läufigen Hündin den Arbeitsplatz. Die Tiere sind so lange fernzuhalten bis die Läufigkeit vorüber ist.

Kastrieren kommt für unsere beiden Hundeherren ebenfalls nicht in Frage. Sie könnten sicherlich besser erzogen sein, jedoch reicht es für unsere Ansprüche die wir haben, vollkommen aus. Uns ist es immer wichtig das sich niemand durch unsere Hunde belästigt fühlt.

Viele Grüße von der Labbitante Ela

von Ela am 02. Dezember 2009 12:43
Hallöchen nochmal an Liesel

Das mit dem Aggressionen ausleben finde ich sehr interessant.

Deine Hunde können ihre Aggressionen sicherlich beim Schutzdienst ausleben, aber was kann ich z.B. als "Otto-normal-Hundehalter" meinem Hund denn da anbieten? Zerrspiele gibt es bei uns schon. Unser Opa kämpft immer sehr lautstark mit mir um seine Beissrolle. Wie könnte man denn sonst noch Aggressionen abbauen?

Fragegrüße von der Labbitante Ela

von Frieda am 02. Dezember 2009 15:49
Huhu Liesel,

also das mit dem Aggressionsabbau und Ausleben interessiert mich auch.
Habe nämlich des öfteren das Gefühl, dass mein Hund aufgrund von einem Aufstau an selbigen manchmal recht unberechenbar wird. Bzw. eben gerade daher auch seine schwierigen Phasen herrühren. Obwohl der Herr ja viel bewegt und beschäftigt wird.
Also, da kannst du gern ein weng mehr drüber schreiben winking smiley.

LG Frieda

von Liesel am 03. Dezember 2009 18:47
Hallo Ela und Frieda,

Beiß- und Zerrspiele jeglicher Art helfen schon sehr beim Abbau der Aggressionen, etwas anderes ist der Schutzdienst ja im Prinzip auch nicht als eine ritualisierte Abfolge von Zerrspielen.

Diese Ritualisierung kann man aber auch anders praktizieren, in für den Alltag typischen Situationen. Wenn wir unseren Hunden ein Hörzeichen beibringen, konditionieren wir es, bis er es beherrscht. Dann könnte man theoretisch den Hund in eine hohe, für ihn schlecht beherrschbare Trieblage bringen und ihn aus diesem Konflikt heraus mit einem actionreichen Zerrspiel belohnen. Dieses Spiel kann man beliebig ausweiten und wenn man an die trieblichen Grenzen stößt, hat der Hund für ein Hörzeichen gelernt, dieses unter allen Umständen zu befolgen und seine aufgebaute Spannung auf unsere "Freigabe" hin in der ihm anerzogenen Ersatzhandlung auszulassen.

Wenn mein Kleiner zu seinem ersten Deckakt kommt, wird es auch nicht anders laufen. Er hat mir Verhalten anzubieten, bevor ich ihn freigebe zur Kontaktaufnahme mit der Hündin. Das erleichtert mir die Arbeit im Sport anschließend, denn in unserem regulären Übungsbetrieb laufen mehrere Teams gleichzeitig, und es wird nicht gefragt ob unsere Mädels gerade läufig sind. Nur bei Prüfungen werden sie an den Schluss der Veranstaltung gestellt.

Bei einem ausgebildeten Sportschutzhund ist es tatsächlich so, dass der Beutetrieb über den Sexualtrieb siegt, was irgendwo logisch ist, denn hungernde Wölfe gehen auch erst auf die Jagd, bevor sie sich dem Akt der Fortpflanzung widmen. Wenn wir unseren Hunden ein hohes Triebziel bieten, binden wir sie an uns, das Schwierigste ist, herauszufinden wie dieses Triebziel aussieht, denn nicht alle Hunde haben einen hohen Beutetrieb, es gibt ja sogar Rassen, denen er herausgezüchtet wurde. Ihr habt jedoch keine "Gesellschaftshunde", sondern Retriever, und das sind wie alle Jagdrassen Hunde mit hoher Beuteappetenz.

Eine Bekannte war bei der Körung anwesend und hat mich gefilmt. Nächste Woche bringt sie mir die CD mit der Aufnahme, wenn die etwas geworden ist, kann man das Wechselspiel zwischen Gehorsam und Triebstau bei meinem Hund sicher gut erkennen. Es gab nur einen Versuch, Hilfsmittel waren nicht erlaubt, nichts an der Aufnahme ist gefakt. Ich werde die Aufnahme online stellen und entsprechend kommentieren. Das war keine Hexerei, keine Brutalität, im Prinzip hat es funktioniert wie beim Clickertraining: der Hund hat Verhalten angeboten und sobald es das richtige Verhalten war, hat er die Freigabe zum Anbiss erhalten.

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich mit meinen Hunden nie in Alltagskleidung Gassi gehen kann, weil ich ständig angesabberte oder fettige Goodies mit mir herumschleppe??? C;;;

LG, Liesel

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