Beißer!? :: Clickertraining

Beißer!?

von Cornelia Vickers(YCH) am 26. Juni 1997 09:11

Hallo Martin+Mirko,
habe gerade die Meldungen dieses Boards gelesen und denke, daß auch unser
Zweithund (Gringo, 6jähriger Dobermann-Rüde) ein Kandidat für das Clicker-
Training ist.
Leider kann ich seine Geschichte nur in Bruchstücken wiedergeben. Sicher
ist jedoch, daß er in seinem Leben vier! verschiedene Halter (davon einen
aus dem Zuhälter-Milieu) hatte und in zwei verschiedenen Tierheimen
gesessen hat. Es wurde eindeutig versucht, ihn "scharf" zu machen, was
aber schief gegangen ist. Er wurde geschlagen.
Als er in das hiesige Tierheim kam, wurde er als "Bestie" eingestuft.
Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits zwei verschiedene Personen gebissen,
ließ also niemand an sich heran. In seinem Zwinger hat er sich gebärdet
wie verrückt, wenn jemand vorbeikam. Das äußere Bild konnte einem schon
Schrecken einjagen.
Ich habe ihn von Anfang an so behandelt, als sei er ein ganz "normaler"
Hund. Bei meinen Runden durch alle Boxen (immer samstags in meiner Freizeit)
habe ich mich vor seinen Käfig gehockt, mit ihm geredet, Leckerlis angeboten.
Das ohrenbetäubende und bösartig klingende Gebell ignorierte ich.
Und siehe da, nach einigen Besuchen ließ das Bellen nach, hörte ganz auf
und Leckerlis wurden auch angenommen. Danach hat es noch einige Tage gedauert,
bis er sich an den Eingang gedrückt hat und ich ihn durch das Gitter vor-
sichtig streicheln konnte. Das war ein tolles und eigentlich unbeschreibbares
Erlebnis für mich.
Als mein Mann und ich die Tierheimleiterin fragten, ob wir den Hund ausführen
dürfen, fiel sie schier in Ohnmacht. Wir haben ihn das erste Mal dann nur
auf den großen Auslaufplatz im Tierheim mitgenommen, damit er sich an uns
gewöhnt. Zu dem Zeitpunkt war er schon eine ganze Weile nicht mehr aus
seinem Zwinger gewesen. Es ging prima. Inzwischen haben wir ihm die Grund-
regeln beigebracht und gehen seit kurzem auch auf den Hundeplatz mit ihm.
Ich weiß nicht, wie es anderen Hundehaltern in einer ähnlichen Situation
ergangen ist - wir haben kaum Zustimmung geschweige den Unterstützung von
den Hundeplätzen erhalten. Sowie die Geschichte des Hundes bekannt war,
wurde gleich abgewunken - das Tier stellt eine Gefahr für alle anderen
Kursteilnehmer dar! Über das Internet habe ich dann einen Ansprechpartner
im hiesigen Schäferhundeverein (!!!) bekommen und dort wurden wir mit
offenen Armen aufgenommen - ohne jegliche Auflagen. Gringo verhält sich
dort genau wie alle anderen Hunde. Der Hundetrainer hält ihn, nachdem er
ihn eine Weile genau beobachtet hat, für einen normalen Hund.
Gringo ist wirklich ein so liebenswerter Hund, anhänglich und sehr
liebebedürftig. Er kann gar nicht genug Streicheleinheiten bekommen.
Wegen diesem Hund haben wir ein Haus auf dem Land gemietet. Seit August
ist er bei uns zu Hause. Abgesehen davon, daß er unsere beiden Katzen
nicht leiden kann, klappt alles recht gut. Mit unserer Tascha verträgt
er sich auch sehr gut. Allerdings ist Tascha der Alpha-Hund.
Ein Problem - und jetzt komme ich nach dem langen Roman auf den springenden
Punkt - haben wir jedoch. Hin und wieder schnappt er zu, hat auch meinen
Mann bereits gebissen. Einmal wollte er ein Plastikteil mit scharfen Ecken
nicht hergeben, das andere Mal hat er meinen Mann angegriffen, als er ihn
vom Bett verwiesen hat. Ein drittes Mal hatte sich Gringo auf den Boden
gelegt, seinen Bauch gezeigt und gewedelt. Mein Mann nahm an er wollte
schmusen, hat sich auch auf den Boden gelegt und in dem Moment ist der
Hund auf ihn losgegangen. Ich bin kein Experte, für mich ist Gringo aber
in bestimmten Situationen ein Angstbeißer
Aber gleichzeitig ist er ein sehr dominanter Hund. Dazu kommt, daß er
durch die verschiedenen Personen, die ihn "betreut" haben, wenn man das
denn so nennen kann, Macken zurückbehalten hat.
Sicherlich müssen wir ihn noch längere Zeit genau beobachten, wann er
wie reagiert, um entsprechende Maßnahmen treffen zu können. Denkst Du,
daß für diesen Hund und das geschilderte Problem auch das Clicker-Training
in Frage kommt?
Laß mich doch bei Gelegenheit einmal wissen, wie Deine Meinung dazu ist.
Ich würde dem Hund wirklich gern für den Rest seines Lebens ein entsprechendes
Zuhause bieten - ich denke er hat es verdient.
Liebe Grüße
Conny
(sorry, daß die Geschichte so lang geworden ist. Vielleicht kannst Du
Dir dadurch aber ein besseres Bild machen)

von Martin+Mirko(YCH) am 26. Juni 1997 09:41

Hallo Conny,

ganz kurz zu Deinem Gringo

habe gerade die Meldungen dieses Boards gelesen und denke, daß auch unser
Zweithund (Gringo, 6jähriger Dobermann-Rüde) ein Kandidat für das Clicker-
Training ist.

Er ist ein hervorragender Kandidat! In der nächsten HR 8/97 wird eine Geschichte beginnen:
"Clicker-Training der ErnstfallWas tun mit Viktor?"
Du wirst erstaunliche Parallelen zu Gringo finden.

Ein Problem - und jetzt komme ich nach dem langen Roman auf den springenden
Punkt - haben wir jedoch. Hin und wieder schnappt er zu, hat auch meinen
Mann bereits gebissen. Einmal wollte er ein Plastikteil mit scharfen Ecken
nicht hergeben, das andere Mal hat er meinen Mann angegriffen, als er ihn
vom Bett verwiesen hat. Ein drittes Mal hatte sich Gringo auf den Boden
gelegt, seinen Bauch gezeigt und gewedelt. Mein Mann nahm an er wollte
schmusen, hat sich auch auf den Boden gelegt und in dem Moment ist der
Hund auf ihn losgegangen.

Als ich hier angekommen war, sagte ichtypisch erlerntes Dominanzbeissen!

Ich bin kein Experte, für mich ist Gringo aber
in bestimmten Situationen ein Angstbeißer

Das kann durchaus auch sein, was Du sagst klingt aber nach

Aber gleichzeitig ist er ein sehr dominanter Hund.

!!!

Da ich z.Zt.mit Viktor ähnliche Probleme behandele, werde ich aus der Praxis direkte Ratschläge geben können. Zunächst nur eins, alle Konfrontationen mit dem Hund vermeiden. Unterwürfiges (submissives) Verhalten belohnen und gelegentlich fordern.
Einfachste ÜbungFutter nicht aus dem Napf, sondern peu a peu aus der Hand wenn Gringo vor Euch vor der Couch liegt.
Das nur als Beispiel. Das ist insofern wichtig, als falsche Reaktionen auf Dominanzbeissen zu echten Problemen führen können.
Aber Euer bisheriges Verhalten zeigt, dass Ihr Euch da nicht sorgen müsst, Euch allerdings aufmerksam und konsequent verhalten solltet.
Demnächst mehr.

Grüsse von Martin & Mirko


von mecki(YCH) am 26. Juni 1997 13:06

Hallo Conny,

kann Dir zwar keinen Ratschlag im Form des Clicker-Trainings geben, aber trotzdem will ich Dir nur sagen, daß der Ratschlag von Martin, Deinen Gringo aus der Hand zu füttern, bei unserem Janosch unvorstellbar schnell Erfolg hatte.

Janosch war zweifellos ein Angstbeisser, als wir ihn aus dem Tierheim holten. Mich selbst hat er gebissen, als ich ihn während des Fressens berührte. Damals hatte ich eine zeitlang sogar Angst vor ihm. Er knurrte oder zog nur die Leftzen hoch, wenn man das Zimmer betrat, wo er gerade etwas aß.

Erst durch den Ratschlag meiner Hundeschule hab ich ausprobiert, ihn sein tägliches Essen aus der Hand zu füttern. Nachdem er dies angenommen und sich daran gewöhnt hatte, hielt ich die Futterschüssel während des Fressens in meiner Hand. Später stellte ich sie auf den Boden und blieb in der Hocke neben Janosch sitzen bis er ausgefressen hatte.

Das Problem des Knurrens, wenn er ein besonderes Leckerlie z.B. Schweineohr kaute, bekam ich mit einer "Tauschaktion" in den Griff.

Immer wenn er einen Knauknochen oder ähnliches kaute und mich dabei unsicher anknurrte, hab ich ich ruhig angesprochen, mich in die Hocke begeben und ihm etwas viel "besseres" Leckerlie angeboten. Er hat dann seinen Kauknochen fallen oder liegen lassen um sich das Leckerlie zu holen. Ich hab dann immer gefragtKann ich das haben und auf den Knochen gezeigt. Er hat mich dann gewähren lassen und bekam das "bessere" Leckerlie. Ich habe ihm aber nie in einem unbeobachteten Moment seinen Knochen "geklaut", sondern immer gewartet, bis er ihn "freigegeben" hat. Das hat sein Vertrauen zu mir enorm gestärt. Anschließend bekam er den Knochen sofort wieder zurück.

Die ganze Prozedur hatte bei Janosch ungefähr 4 Wochen (bei täglicher Übung) gedauert, dann war´s vorbei.

Heute kann ich Janosch alles aus seinem Maul holen, ohne das er nur das "Gesicht" verzieht.

Auch die Probleme des Beissens, wenn er z.B. vom Sofa sollte, aber nicht wollte hatten sich damit erledigt.

liebe grüße mecki

von Katharina Keck(YCH) am 27. August 1997 12:58

Hallo Conny,

Du hast nur geschrieben, wann Gringo gebissen hat. Aber um sagen
zu können, ob Ihr Dominanzprobleme habt oder er ein Angstbeißer
ist, muß man mehr wissen:
1. Wie war die Ohrstellung (nach vorne oder hinten)?
2. Knurrte Gringo vor dem beißen. Waren die Mundwinkel dann lang
und spitz oder kurz und rund geformt
3. Stellte er die Nackenhaare. Wenn ja, nur hinten oder vorne und
hinten.
4. Rutenstellung?

Das Futtertraining wie von mecki beschrieben ist ganz toll
und hilft bei beiden Problemen (Angst u. Dominanz). Allerdings kannst
Du darüberhinaus noch viel mehr machen. Aber da muß man wissen, warum Gringo beißt, Angst oder Dominanz oder die besonders gefährliche
Mischung aus beidem. Letzteres kenne ich von einem Berner Sennenhund, der
schon mit 4 Monaten niemanden mehr an seinen Knochen ließ. Ansich ist
das Bürschen selbstbewußt, aber vom Züchter war er massiv mißhandelt
worden und von den Besitzern ständig gestraft, wenn er sich etwas
nicht wegnehmen lassen wollte. Dadurch wurde alles immer schlimmer.
Sie lösten das Problem dann mit Nicht-mehr-Strafen und dem von mecki
beschriebenen Training.

PS. Ich habe seit 8 Jahren einen Fila Brasileiro (jetzt 12 Jahre), der
auch als Bestie ins Tierheim kam und niemand traute sich rein. Jeder
hatte Angst vor dem "Kampfhund", der selbst vor dem Tierheim vom Vorbesitzer noch mit der Leine verprügelt worden war. Da "Baldo"
aber am ganzen Körper zitterte, glaubte ich nicht an die Bestie. Nach drei
Wochen täglichem Zureden reagierte er immer noch nicht. Er lag immer
noch da und zitterte. Ich legte dann meine Hand auf seine Pfote. "Baldo"
legte daraufhin ganz sanft seien riesigen Kopf auf meine Hand. Von
wegen Bestie! In der Folgezeit zeigte er massive Aggressivität gegen
Hunde und gegen Menschen (meistens junge Männer), aber niemals gegen
mich oder meinen engeren Familien- und Freundeskreis. Heute verträgt
er sich mit jedem Hund. Bei Menschen hat er nur noch selten Probleme mit
jungen Männern, die unser Grundstück betreten oder ihn zu sehr bedrängen. Aber bisher hat er bei Menschen immer "nur" gezwickt, also
blaue Flecken. D. h. er wollte die Leute nur vertreiben, nicht wirklich
verletzten. Sonst ist er ein problemloser Hund geworden. Er läuft fast
immer ohne Leine. Bei Jogger, Radfahrer, Hunde verhält er sich korrekt.
Grund für die fast völlige Wandlung war Geduld, Geduld und keine Härte.
Ständig konfrontierte ich ihn kontrollierbar (an der Leine) mit Menschen
und Hunden. Der Grund für seine Aggressivität war schnell klar:
Er hatte nur Angst (Rute war ständig eingeklemmt, Ohren lagen an,
er knurrte nicht, bevor er schnappte, sondern verdrehte nur die Augen).

Liebe Grüße

Katharina

von Klaus Sprinkart(YCH) am 01. Dezember 1997 21:45

Wer kann Helfen:
Wir möchten Dobermann Welpen coupieren lassen.
Wer kennt Adressen von Tierärzten im Elsaß, welche Erfahrung haben.

Für Anschriften sind wir im voraus dankbar!

Viele Grüße KLAUS

von Martin + Mirko(YCH) am 01. Dezember 1997 21:59

Wer kann Helfen:

Den Welpen!

Wir möchten Dobermann Welpen coupieren lassen.
Wer kennt Adressen von Tierärzten im Elsaß, welche Erfahrung haben.

Das Kupieren (der Ohren)ist nach dem Tierschutzgesetz strafbar. Auch wenn die Handlung im Ausland stattfand, werden dem Hunden doch unnötige Schmerzen zugefügt. Auzßerdem wird er in seiner natürlichen Entwicklung des Sozialverhaltens behindert.
Dies ist durch einschlägige Gerichtsurteile bekannt. Ich will gern die Quellen nennen.

Nach dem neuen Tierschutzgesetz - so es denn endlich durchkommt - wird auch das Kupieren der Schwänze verboten sein.

Wer die Eleganz eines unkupierten Dobermannes gesehen hat, wird nie mehr auf die Idee kommen, ihn 'zurechtzuschneiden'.

Viele Grüße von Martin & Mirko

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