Deutscher Schäferhund und die Zucht :: Was sonst nirgends passt

Deutscher Schäferhund und die Zucht

von Briard-Jutta(YCH) am 12. Februar 1999 10:16

Lieber Karl,

ich werfe durchaus nicht mit Vermutungen um mich. Ich spreche auch dem Deutschen Schäferhund seine Vorzüge als vielseitiger Arbeitshund nicht ab. Und keinesfalls rege ich an, Welpen zu töten, sondern habe darauf hingewiesen, daß ich die Praxis des Schäferhundverbandes ablehne, nur einer gewissen Anzahl korrekt gezeugter Welpen Papiere zu geben.

Ich habe Kontakt mit vielen Züchtern unterschiedlicher Rassen, darunter auch einige, die im VDH Schäferhunde züchten. Wenn die Rasse nicht extrem anfällig ist, kann ich mir leider nicht erklären, warum ausgerechnet bei ihnen soviele "totgeborene" Welpen in den Wurfstatistiken auftauchen. Merkwürdigerweise häufig genau so viele, daß den verbliebenen Welpen allesamt Papiere zuteil werden. Ich kenne zwei Züchter persönlich, die aufgrund der Zuchtbestimmungen nach jahrelanger erfolgreicher Zucht aus dem Verband ausgetreten sind und das Züchten der Rasse aufgegeben haben. Ein Züchter trifft die "Auslese" so, daß er unmittelbar nach der Geburt alle Welpen in ein anderes Zimmer bringt, und die Hündin ihre Welpen nach und nach zurückholen läßt. Er vertritt die Auffassung, daß sie die stärksten zuerst holen würde. Ob das nun stimmt oder nicht, weiß ich nicht, jedenfalls sind es die Übriggebliebenen, die zur Amme gehen. Kannst Du mir bitte die Frage beantworten, was mit diesen Welpen geschieht? Wie werden sie vermittelt? Zu welchem Preis werden sie verkauft? Wer kümmert sich darum, ob sie irgendwann in der Dissidenz als Zuchthunde auftauchen? Du verwahrst Dich (zu Recht!) gegen Vermehrer, die irgendwie "Rassehunde" produzieren. Leistet der Verband aber mit der bestehenden Praxis diesen nicht Vorschub? Und wo bitte liegt die Begründung, warum eine Wurf nicht komplett anerkannte Papiere bekommen kann? Bei anderen Rassen funktioniert das doch auch erfolgreich. Und dank des Einsatzes der Züchter, die sich die Arbeit machen, ausreichend zuzufüttern, gedeihen auch große Würfe prächtig.

Leider gibt es nahezu überall im Zuchtwesen ein Zuchtunwesen. Und ich bin sicher, jeder Verband, egal welche Rasse er züchtet, hat seine schwarzen Schafe. Ich freue mich für die Preussenblutsche Zucht, wenn sie gute, gesunde und optimal geprägte Hunde hervorbringt. Trotzdem begreife ich die Verbandsrichtlinien nicht.

Liebe Grüße,
Jutta




von Stefan und Hilde Wagener(YCH) am 10. März 1999 19:35

Liebe Jutta,

wir haben mit Interresse Deinen Brief gelesen. Was Du vielleicht
noch nicht weißt, im Schäferhundverband bekommen schon seit längerer
Zeit alle Welpen eines Wurfes Ahnentafeln. Vielleicht wäre es für
Dich interressant, Dir einmal die Zuchtordnungen des SV genauer
durchzulesen. Im übrigen muß auch kein Welpe mehr zur Amme. Wenn
mehr als 8 Welpen bei der Mutter gelassen werden, wird dem Mutter-
tier eine längere Pause als früher vom SV auferlegt. Das finden wir
sehr positiv.

Noch eine kleine Anmerkung zu den totgeborenen Schäferhundwelpen.
Manche Hündinnen tragen über 8 Welpen, wir haben die Erfahrung ge-
macht, daß die Gefahr der Totgeburten höher ist, je mehr Welpen
von der Hündin auf die Welt gebracht werden müssen. Je länger eine
Geburt dauert umso höher ist die Gefahr von Sauerstoffmangel.

Unsere Hunde genießen bei uns ein sehr schönes Leben, und das von
Anfang an. Und unsere Zuchthündinnen sehen aus wie junge Hundedamen,
weil sie nicht ständig zur Zucht eingesetzt werden. Sie arbeiten
sehr gerne auf dem Platz, sie spielen und toben, und brauchen viele
Schmuseeinheiten und sehr sehr gute Pflege. Und die von ihnen ge-
borenen Welpen, haben 1. Supermütter, sind 2. kräftig, weil wir
optimal zufüttern ab der 3. Lebenswoche, sie werden regelmäßig ent-
wurmt und natürlich geimpft. Das Allerwichtigste ist der soziale
Kontakt, den sie gerade in den ersten Lebenswochen brauchen.
Das Endergebnis sind selbstbewußte, temperamentvolle Welpen. Bei
der Abgabe sind wir dann sehr wählerisch, bei uns kann man nur einen
Welpen kaufen, wenn wir die zukünftigen Besitzer persönlich sprechen
können. Wir möchten, daß unsere Kleinen es auch in Zukunft sehr gut
haben, und wählen die Käufer nach unseren Kriterien aus.(Bisher haben
wir uns einmal geirrt, leider)

Wir haben Dir geantwortet, weil es Dir vielleicht ein kleiner Trost
ist, daß es nicht nur unseriöse Züchter und Vermehrer gibt. Leider
ist es nicht einfach, den schwarzen Schafen im Zuchtgeschehen das
Handwerk zu legen. Deshalb finden wir es gut, daß es noch Menschen
gibt, die bereit sind ihre Meinung offen zu sagen.

Viele Grüsse

Stefan und Hilde








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von Briard-Jutta(YCH) am 12. März 1999 15:59

Lieber Stephan, liebe Hilde,

danke für Euren freundlichen Brief! Ich freue mich sehr, wenn sich in den etablierten Hundeverbänden (und damit meine ich alle, nicht nur die Schäferhunde) immer wieder etwas zum Positiven verändert!

Daß man sich als Züchter in der Auswahl der Welpenkäufer irren kann, läßt sich wohl leider nie ganz vermeiden. Die Leute können viel erzählen, und selbst dann, wenn sie eigentlich die Wahrheit gesagt haben, kann es vorkommen, daß sie letztendlich dennoch einfach überfordert sind. Dann ist es ein Segen, wenn der Züchter das rechtzeitig mitbekommt und die Möglichkeit und Bereitschaft hat, den Welpen wieder zurückzunehmen.

Ich wünsche Euch ein glückliches Händchen für Eure Zucht und die Auswahl Eurer Welpenbesitzer,

liebe Grüße,
Jutta


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