Kampfhundhysterie :: Was sonst nirgends passt

Kampfhundhysterie

von Anja(YCH) am 15. Mai 1998 13:25

Hallo,

hat jemand zufällig gestern (am 14.05.) auf RTL2 bei "Die Redaktion" den Beitrag über die beiden Pitbulls gesehen, die ihre Besitzerin getötet haben?

Ich bin nur noch entsetzt, wie in den Medien immer mehr gegen sogenannte "Kampfhunde" gehetzt wird. Mein Mann und ich haben einen Mastiff und einen Rottweiler zuhause und beide sind absolute Schoßhunde, unser Mastiff ist vom Charakter eine echte Schlaftablette und liebt Kinder, Hunde, überhaupt alles was sich bewegt über alles.Trotzdem mußte er in seinem zarten Alter von 6,5 Monaten schon ein Gutachten und einen Besuch von der Amtstierärztin über sich ergehen lassen (die vor ihm ängstlich zurückwich). In unserer Nachbarschaft haben wir glücklicherweise noch (fast) keine negativen Reaktionen bekommen (eher noch wegen unserer Rottweilerhündin), aber ich habe das Gefühl, das die meisten nicht wissen, daß er in die Kampfhundkategorie fällt, obwohl wir das nie verschweigen.

Ich würde gern selbst etwas tun um gegen diese Kampfhundhysterie vorzugehen, habe auch schon an Zeitungen und Fernsehsender Briefe geschrieben, aber die Zahl derer die härtere Gesetze fordern, nimmt leider immer mehr zu. In Bayern muß man sich jetzt schon vom Staat verfolgt fühlen, wenn man einen "Kampfhund" besitzt und muß einen wahren Spießrutenlauf absolvieren ehe man endlich bescheinigt bekommt, daß der Hund sich nicht zum Kampfhund eignet. Beim blossen Gedanken, ich müßte meinem Donar einen Maulkorb anlegen, sträubt sich in mir alles.

Was denkt ihr über die Kampfhundhysterie? Hat jemand eine Idee, was man dagegen machen könnte?

Viele Grüße
Anja, Mike, Sheiba und Donar



von Sonja(YCH) am 15. Mai 1998 14:32

:Hallo Anja,
:
:ich hab den Schluss von dem Bericht gesehen, aber das hat schon wieder
:gereicht...
:Ich denke auch, dass man dieser Hysterie dringend entgegenarbeiten muss.
:Besonders heftig fand ich übrigens die Schlussbemerkung Die Hunde wurden fachgerecht erschossen...
:Ich hab zwar "nur" einen Schäferhund, aber die panischen Blicke einiger
:Menschen geben mir auch immer wieder zu denken...
:
:Hier wird sich gleich wohl der Server abmelden..ich würde das Thema gern nächste
:Woche weiter besprechen..
:
:Liebe Grüße
confused smileyonja

von Anja(YCH) am 18. Mai 1998 08:47

Hallo Sonja,

ich denke dieses Thema sollte wirklich mal ausführlich diskutiert werden. Als Hundebesitzer an sich wird man von Nicht-Hundebesitzern oft ja schon schief angesehen, aber als Besitzer von großen oder sogar Kampfhunden gilt man ja schon als "asozial". Nicht jeder Kampfhundbesitzer ist gleich ein Schlägertyp. Wir z.B. lieben einfach große Hunderassen im allgemeinen und Mastiff, Mastin Espanol, Mastin de los Pirineos im besonderen. Wie gesagt die meisten unserer Nachbarn haben mittlerweile kein Problem mehr mit unseren Hunden, aber ich habe oft die Befürchtung daß die Behörden hier in Bayern noch strenger werden. Ich würde niemals einen Hund hergeben können. Aber was können wir tun? Die Zeitungen sind an Pro-Kampfhund Artikeln nicht sonderlich interessiert.

von Heike M.-N.(YCH) am 18. Mai 1998 13:28

Hallo Anja,
ich geb Dir recht, diese Hysterie ist unverantwortlich, ich werd selbst schon ganz grade, wenn mir ein Pittbul oder ein Staffordshireterrier entgegenkommen, obwohl diese Hunde weder mir noch meinem Hund jemals was getan haben; gebissen worden bin ich bisher nur von unserem ersten, eigenen Spaniel.
Manchmal bin ich in einer Newsgroup, da geht es rund wie auf dem Schlachtfeld, da lobe ich mir doch Yorkies, bei dem die Leute miteinander sehr viel gesitteter umgehen und Kritik konstruktiv und nicht destruktiv wirkt.
Mal ernsthaft, gibt es Statistiken, aus denen man Übergriffe aller Hundearten gezählt hat ? Würd mich mal wirklich interessieren. Sollte aber in Relation zur Anzahl der jeweiligen Rasse stehen, d.h. wenn es von einer Rasse nur wenig Hunde gibt, sind von dort her auch weniger Übergriffe zu melden.
Und welche Hunderassen sind die allgemein bezeichneten "Kampfhunde"? Ich find den Ausdruck grauslich, denn für mich persönlich kann jeder Hund einer beliebigen Rasse ein "Kampfhund" sein, wenn er entsprechend abgerichtet wird. Oder liege ich da vollkommen falsch ?
Würde mich über Aufklärung freuen.
Heike


von Anja(YCH) am 18. Mai 1998 14:27

Hallo Heike,

leider kenne ich auch keine Statistiken, die wirklich objektiv sind. In den meisten sogenannten Statistiken führen Schäferhunde die Tabelle bei weitem an und die "sogenannten" Kampfhundrassen stehen eher weiter hinten, aber es wird sowieso nie Rücksicht auf die tatsächlichen Relationen genommen.

Bei uns in Bayern gibt es zwei Kategorien sogenannter Kampfhunde:
Kategorie 1 (Pitbull, Staffordshire Terrier, Tosa Inu, Bandog) sind die Rassen, bei denen eine Eignung zum Kampfhund (angeblich) erwiesen ist. Für sie braucht man eine Erlaubnis, die man nur extrem schwer und in Ausnahmefällen bekommt.

Kategorie 2 (Mastiff, Bullmastiff, Bordeaux Dogge, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Dogo Argentino, Rhodesian Ridgeback, Fila Brasileiro, American Bullterrier) sind die Rassen, bei denen man eine Eignung zum Kampfhund nur "annimmt". Hier kann man durch Gutachten beweisen, daß sich der Hund nicht zum Kampfhund eignet und bekommt dann ein sogenanntes Negativzeugnis ausgestellt, d.h. man braucht dann keine Erlaubnis. Leider muß dieses Gutachten bereits im Alter von ca. 4 Monaten eingeholt werden, so verlangte es zumindest unsere Gemeinde. Man kann sich also denken wie aussagekräftig das Gutachten ist von einem 4-monatigen Welpen! Mit ca. 2 Jahren müssen wir unseren Hund dann allerdings wieder dem Veterinäramt vorführen, zwecks entgültiger Ausstellung eines Negativzeugnisses - unser jetziges ist nur vorläufig.

Alles in allem bewirken die bayerischen Gesetze meiner Meinung nach gar nichts, außer daß sie vermutlich gerade die Leute abschrecken, die einen solchen Hund vernünftig erziehen würden, sich aber einem solchen Behördenkrieg nicht aussetzen wollen. Wenn allerdings mal Anlaß zum Eingreifen wäre, mahlen die Mühlen der Behörden nur sehr langsam. In unserem Ort wurde mal ein junger Pitbull Rüde von Rechtsradikalen gehalten (ohne Genehmigung) - auf meinen Anruf und noch viele andere Anrufe hin war die Polizei ziemlich gelassen und meinte, das wäre doch noch ein harmloser kleiner Welpe - wir sollten uns nicht aufregen.

Ich merke auch, daß seit dem Entstehen der strengeren "Kampfhundgesetze" immer neue Rassen entstehen, die offensichtlich aus anderen Kampfhundrassen gezüchtet worden sind, aber mit einem eigenen Namen versehen wurden wie z.B. der Cane Corso und der Alano, d.h sie werden bisher nicht von den Kampfhundgesetzen erfasst (soll aber geändert werden). Eine Verschärfung der Gesetze bringt also nichts, diese verabscheuungswürdigen Menschen, die Hunde scharf machen, würden das vermutlich auch mit einem Golden Retriever schaffen, wenn sie andere Rassen nicht mehr halten dürften. Meiner Meinung nach müßte Hundeschule bzw. Hundeführerschein ein absolutes Muß werden und zwar für alle, egal ob Westie oder Bernhardiner.

Übrigens gab es laut Statistiken seit dem 2. Weltkrieg (seitdem führt man Buch) keinen einzigen Mastiffvorfall in Deutschland und trotzdem dank der Ignoranz der Behörden fällt auch unsere Schlaftablette von einem Hund unter die Kampfhundgesetze. Aber daran wird sich wohl nie etwas ändern. Ignoranz bei Behörden ist ja nichts neues.

Ich hoffe, ich konnte Dich ein wenig aufklären. Leider kenne ich die Gesetzgebung in anderen Bundesstaaten nicht.

Viele Grüße
Anja

von julianek(YCH) am 19. Mai 1998 08:06

Hallo Anja, Hallo Heike

wenn ich es recht in Erinnerung habe, ist der Aufhaenger dieses Beitrages doch der bericht ueber eine Frau, die von ihren beiden Hunden getoetet wurde. Das ist ein realer Fall, ebenso wie letztens die Sache mit dem Kind das im Hundezwinger von Rottweilern angefallen wurde. Wie kann man da, wie mir scheint abfaellig, von "Hysterie" sprechen? Soll jetzt ueber jeden Hundebiss gross berichtet werden, damit sich Faelle mit "Kampfhunden" relativieren???? Wenn ein solcher Hund "durchdreht" ist nichts mehr zu machen! Es ist nun mal etwas anderes, ob man einen Spaniel, Yorckie oder eben einen "Kampfhund" hat. Kampfhund kann fuer mich jeder Hund von einer gewissen Groesse, Gewicht und vor allem Beisskraft sein. Mir als Rottweilerbesitzerin machen solche Berichte das Leben auch nicht gerade einfacher, aber deshalb beschwere ich mich nicht. Diese Berichte bewirken bei mir eher das Gegenteil. Sie rufen mir immer wieder ins Gedaechnis, dass das was ich da habe eben kein "Schmusetier" ist, auch wenn er noch so lieb ist. Er ist ein Tier das, aufgrund seiner enormen Kraft, ordentlich gefuehrt werden muss. Diese Berichte sind also fuer mich eine Aufforderung dafuer Sorge zu tragen, dass mein Hund nicht solche Schlagzeilen produziert.

:Mal ernsthaft, gibt es Statistiken, aus denen man Übergriffe aller Hundearten gezählt hat ?

Die Tieraerztin bei der wir mit Jack waren (hatte uebrigens Angst vor Rottweilern, das seien fuer sie die eigentlichen Kampfhunde - da gehen wir also nicht mehr hin...) sagte uns, dass sie eine Statistik kenne, die auffuehre, dass die meisten Unfalle in Tierarztpraxen mit Rottweilern oder Yorckies passiere. Yorkies ihrer Meinung nach deshalb, da diese Hunde fuer Ihre Groesse einen enormen Mut haetten. Damals dachte ich, sie erzaehlt uns das, um uns aufzuheitern (Jack hat sich angestellt wie ein "Kampfhund" - es war sein erster Besuch beim Tierarzt, und wir hatten ihn erst Wochen...) Mittlerweile weiss ich aber, dass das mit dem Mut stimmt. Nur wenn ein Yorckie zubeisst, ist das eben nicht so schlimm...
Ich finde es auch ganz selbstverstaendlich meinen Hund beizurufen, wenn uns jemand entgegenkommt, obwohl ich weiss, dass er "nichts macht". Er ist nunmal gross, und andere Leute haben ein Recht darauf meinen Hund nicht zu moegen. Solche Hunde sind nun mal nicht "suess", und das ist warscheinlich auch einer der Gruende warum man ihn hat.

Statt sich darueber zu beschweren, dass "unsere" Hunde nicht von allen ins Herz geschlossen werden, sollte man lieber Verstaendnis fuer die Aengste der Leute haben, und sicht entsprechend verhalten. Ich selbst fuehle mich auch unwohl wenn selbst ein andere Rottweiler ohne Leine auf mich zukommt, da hilft auch kein "der macht nichts". Es kann immer nur heissen "er hat bisher nichts gemacht".

Fuehlt Euch bitte nicht zu sehr "auf den Schlips getreten" :-), aber ich kann das Selbstmitleid vieler "Kampfhundebesitzer" langsam nicht mehr hoeren.

Gruss Julianek

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