Hund wurde im Stich gelassen :: Gesundheit & Hund

Hund wurde im Stich gelassen

von Tibina(YCH) am 04. April 2001 14:13

Hallo,

heute vormittag wurde unser Hund nach einem Unfall und mehreren Tagen
Beobachtung eingeschläfert.
Durch einen Autounfall wurde unserem Hund so das Rückenmark verletzt, so dass er nie wieder zum Beispiel seinen Stuhl unter Kontrolle haben würde. Das wurde uns von zwei Tierärzten unabhängig voneinander versichert. Vorher wurde er dort auch intensiv beobachtet. Wir haben dann eingewilligt, ihn einschläfern zu lassen. Das ganze wurde ohne unsere Anwesenheit gemacht, wir wurden auch nicht danach gefragt. Nun habe ich immer dieses Bild des im Stich gelassenen Hundes vor mir und komme damit nicht klar.
Wie wird sowas normalerweise geregelt? Was hätten wir anders machen können? Wir wollten ihn nicht unnötig quälen, es ging nicht um uns, sondern den Hund. Hat einer schon etwas ähnliches erlebt?

von Gabi + Freddie K(YCH) am 04. April 2001 15:06

hallo,

: Wir haben dann eingewilligt, ihn einschläfern zu lassen. Das ganze wurde ohne unsere Anwesenheit gemacht, wir wurden auch nicht danach gefragt. Nun habe ich immer dieses Bild des im Stich gelassenen Hundes vor mir und komme damit nicht klar.

ich habe bisher 3 hunde einschläfern lassen müssen, weil sie entweder krank oder alt + krank waren. jedesmal habe ich sie im arm gehalten und gestreichelt, bis sie tot waren ...
mein tierarzt hat mich vorher jedesmal gefragt ob ich dabei sein will, aber für mich ist das eigentlich selbstverständlich. ich werde es beim nächsten hund wenn irgendmöglich wieder so machen - dabei hoffe ich ja immer wieder, dass wenigstens einer meiner hunde mal zuhause im schlaf sterben darf. ich kenne aber auch leute, die es nicht verkraften, dabei zuzusehen, wie das leben zu ende geht und auch das muss man akzeptieren.

: Wie wird sowas normalerweise geregelt? Was hätten wir anders machen können? Wir wollten ihn nicht unnötig quälen, es ging nicht um uns, sondern den Hund. Hat einer schon etwas ähnliches erlebt?

ich denke, du solltest jetzt DICH nicht mehr unnötig quälen. es ist nicht zu ändern. ihr habt euch die entscheidung sicher nicht einfach gemacht - wer weiß, vielleicht war es für euch das beste nicht beim einschläfern dabei zu sein. mich verfolgt das bild jedesmal wochenlang. aus meiner erfahrung kann ich dir sagen, dass mich bei jedem einschläfern das schlechte gewissen fast umgebracht hat. ich will damit sagen, dass ich immer wieder mich gefragt habe, ob es nicht zu früh zum einschläfern gewesen ist und am liebsten hätte ich jeden von den dreien dem tierarzt unterden händen weg vom tisch gezogen und wieder mit nach hause genommen. irgendwie kam ich mir immer wie ein mörder vor. das ist auch der grund, warum ich mit meinem tierarzt vereinbart habe, dass er die entscheidung trifft. er hat alles menschenmögliche getan, dabei aber nie das wohl des tieres aus den augen verloren. leiden sollte kein tier, das haben sie nicht verdient. mein letzter hund hat bis 2 tage vor seinem tod noch freude am leben gehabt, langsam und bedächtig zwar - schließlich war sie 16 jahre alt. der entschluß einschläfern oder nicht ist mir trotzdem sehr sehr schwer gefallen.
ich bilde mir ein, man sieht es, ob der hund noch leben will oder nicht - bei meinen war es glaubich so, und trotzdem ...

ich denke immer wieder an sie, an Wacki, Moritz und Cindy - gerne, trotzdem ich dann immer traurig bin. und obwohl mir heute schon vor dem tag graut, an dem mein ta zu mir sagt: "ich denke, heute ist der tag gekommen ...", werde ich den Freddie such wieder im arm halten und ihn streicheln wenn er gehen muss (obwohl ich ja hoffe, dass er im schlaf sterben darf, oder beim jagen der eisenbahn ...)

heulende grüße

Gabi + Freddie K

von Jutta + Ouzo(YCH) am 04. April 2001 18:42

: Hallo
:
. Nun habe ich immer dieses Bild des im Stich gelassenen Hundes vor mir und komme damit nicht klar.
Hat einer schon etwas ähnliches erlebt?

Wir mußten vor fast genau 2 Jahren unseren Benny einschläfern lassen. Er lag schon 1 Tag und 1 Nacht beim TA. Der TA rief mich Sonntag früh an uns sagte mir, dass er keine Besserung sieht und dass er ihm nun die Spritze geben wird. Es stand mir frei, dabei zu sein. In diesem Moment war ich so durcheinander, dass ich mich nicht traute ins Auto zu sitzen. Außerdem konnte ich meine damls 4-jährigen Kids nicht alleine zu Hause lassen. Ich sagte dem TA, dass ich nicht dabei sein werde.

Kurz danach plagten mich die Zweifel und ich dachte auch, dass ich ihn im Stich gelassen habe. Aber auf der anderen Seite stand er schon so stark unter Drogen, dass er überhaupt nichts mehr mitbekommen hatte. Dies war ein Trost für mich.

Ich habe ihn heute noch so in Erinnerung wie er im Garten sprang, das ist auch schön.

4 Monate später mußte ich meinen Kater (Unfall) zum TA bringen. Auch er hatte keine Chance mehr. Ich hielt ihn im Arm und die Tränen liefen. Winnie hat mich intensiv angschaut und ich mußte Stärke beweisen. Damals dachte ich, dass sich meine Angst und die Trauer auf den Kater übertragen hat. Er hat an meinem Verhalten gespürt, dass es zu Ende geht. - Dies hast du deinem Hund ersparen können.

Mitleidsvolle Grüße
Jutta + Ouzo, der eigentlich nur bei uns ist, weil Benny starb. So hatte das Leid etwas Gutes für einen anderen Hund

von Tibina(YCH) am 05. April 2001 06:24

Hallo Gabi,

danke für Deine schnelle Antwort, sie hat mir sehr gut getan. Es ist ein ziemlich trauriges Thema und es weckt nicht gerade Fröhlichkeit in einem. Trotzdem hast Du Dir sehr viel Mühe gegeben. Vor Rührung über das liebe Trösten sind mir zwar schon wieder die Tränen gekommen, aber der Gedanke, dass ICH mich nun auch nicht mehr quälen soll, hat mir geholfen.
Ich muss mich langsam auch wieder in den Griff bekommen, denn der "Dicke" (Münsterländer-Mix) guckt mich schon immer ganz betröppelt an, wenn ich so vor mich hin schluchze. Er hat sogar nicht mehr versucht, die Mülltüten auszuräumen...
Es ist schon schlimm, dass unsere "Maus" nicht mehr da ist und ihre Streiche ausheckt. So ist es für sie aber besser.
Wenn ich an das alles denke, kommt mir immer das große Heulen, aber das schlimmste ist wohl vorbei, hoffe ich jedenfalls. Nun versuche ich, mir die Situationen in´s Gedächnis zu rufen, in denen sie uns ihre "Meisterstreiche" gespielt hat.
Ich hoffe nur, sie war beim Tierarzt so sehr unter Drogen, dass sie das alles (die zwei Tage vorher und die "Erlösung"winking smiley nicht mehr bewusst erlebt hat.

Bekannte hatten einen Kater, der sich wochenlang gequält hatte. Es ist für mich schon eine große Erleichterung, dass die "Maus" sich nicht so lange quälen musste. Aber wie sagst Du so schön:"...und trotzdem..."
Das trifft es ziemlich gut.

Etwas schniefende Grüße von
Tibina, Felix (Hund) und Carlo (Kater) (den beiden fehlt Conny auch, obwohl sie hier nur manchmal Logiergast war und ansonsten bei meinen Eltern lebte)

von Tibina(YCH) am 05. April 2001 07:05

Hallo Jutta,

danke für Deine Antwort, die Dir bestimmt nicht leicht gefallen ist. Ist ja kein besonders schönes Thema.
Es tröstet mich, dass auch andere Leute nicht "dabei" waren und danach ein schlechtes Gewissen hatten. Hört sich vielleicht blöde an, aber so ist es nun mal. Deine Situation war damals ja fast wie bei uns jetzt. Der Arzt rief uns nach seiner Entscheidung zwar an und sagte, dass Conny schon "weg" wäre, aber das glauben wir nicht. Er wollte uns das alles nur etwas leichter machen.
Hoffentlich war die "Maus" wirklich so unter Drogen, dass sie das alles nicht mitgekriegt hat. Sie hat uns soviel gegeben, dass wir es sehr für sie hoffen. Diesen Stress vorher hätte sie nicht verdient. Am liebsten hätte ich mich mit ihr unter einen Baum im Garten gesetzt, sie in den Arm genommen, und der Tierarzt hätte dann seine Arbeit getan. Wie Du schon sagst, ist nur die Frage, ob das Tier nicht trotzdem merkt, dass etwas im Busch ist, und man auf die Weise seinen Leidensweg nur verlängert.
Bis zu diesen letzten Tagen hatte sie ein "Hundeleben", um das sie viele andere beneidet hätten. Ich versuche mich nun dazu zu zwingen, daran zu denken. Dann kommt immer etwas Wehmut auf, aber dieses Gefühl kann ich besser ertragen als das schlechte Gewissen.
Etwas Gutes hat das alles auch in diesem Fall, allerdings eher für uns, als für einen neuen Hund (bis jetzt): Mein Bruder geht solange, bis sie wieder einen eigenen haben, mit unserem Felix auf den Hundeplatz, damit er sich in Zukunft noch etwas besser "benehmen" lernt. Sonst wäre ich demnächst für einige Stunden (für den letzten "Schliff"winking smiley mit dem "Dicken" hinmarschiert.

Was ich aber bemerkenswert finde, ist, dass trotz dieses Kummers und dem zu erwartendem Kummer irgendwann mit dem nächsten Hund, Du, Gabi (die mir auch geschrieben hat), ich (bzw. meine Eltern, denen der Hund eigentlich gehörte) und viele andere sich immer wieder für einen neuen entscheiden. Irgendwas muss an diesen Viechern wirklich dran sein...

von Gabi + Freddie K.(YCH) am 05. April 2001 08:22

hallo Tibina,

: Was ich aber bemerkenswert finde, ist, dass trotz dieses Kummers und dem zu erwartendem Kummer irgendwann mit dem nächsten Hund, Du, Gabi (die mir auch geschrieben hat), ich (bzw. meine Eltern, denen der Hund eigentlich gehörte) und viele andere sich immer wieder für einen neuen entscheiden. Irgendwas muss an diesen Viechern wirklich dran sein...

klar, viel, sogar sehr viel ist an denen dran winking smiley
mein hund geht mit mir aufs klo, der guckt mir beim an- und ausziehen zu, der sieht mich heulen und lachen, der freut sich mit mir, der langweilt sich mit mir - oder unternimmt was mit mir, der tröstet mich in den dunklen stunden meines lebens. einer - Cindy - war mal der einzige, der zwischen mir und dem selbstmord stand. er sorgt für meine gesundheit und wenn mich die faulheit zu übermannen droht, tritt er mich in den hintern - hopp, los, frauchen adda gehen.
viele werden das vielleicht nicht verstehen, aber mir steht mein hund näher, als ich irgendeinen menschen (und ich meine wirklich jeden!) an mich heranlassen würde.
obwohl ich sehr gerne menschen um mich herum habe, ist mein hund glaubich der einzige, mit dem ich zusammen leben möchte - obwohl man ja nie nie sagen soll ...
momentan ist die situation so, dass ich mich freue, wenn der besuch wieder geht - obwohl ich gern besuch habe. mag vielleicht komisch klingen, aber es stört mich, wenn in meiner wohnung "jemand atmet". außer dem Freddie natürlich!

tschüß, Gabi + Freddie K.

p.s. der freddie hat sogar ne eigene e-mail adresse: freddie.k@web.de *ggg*

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