Doberfrau griffig gegenüber Welpen! :: Hundeerziehung + Soziales

Doberfrau griffig gegenüber Welpen!

von Annegret(YCH) am 21. Januar 1999 22:15

Ich nehme 2-3 x die Woche eine jetzt cirka 2 jahre alte Dobermannhündin mit beim Spazierengehen. Selber habe ich 2 kleine katzengroße Hündinnen.
Als sie noch ein Jungtier war, war sie anderen Hunden gegenüber sehr aufgeschlossen, hatte auch eine feste "Spieletruppe" von 3-4 Hunden in ihrem Alter.
Seit ihrer ersten Läufigkeit aber benimmt sie sich---wahrscheinlich, weil sie sehr stark von Rüden belästigt wurde--- besonders kleinen Hunden gegenüber sehr griffig, d.h. wenn ihr ein Hund zu frech wird, macht sie ihn massiv an, und je nach Größe wirft sie sie auch auf den Rücken. Besonders wenn sie Scheinträchtig ist, fühlt sie isch schnell belästigt, und keift. Nun wurde sie aber auch kleinen Hunden und Welpen
gegenüber sehr ruppig, pault sie an, wirft sie auf den Rücken zur unterwerfung. mehr passiert dann aber auch nicht.
Die problematik hierbei ist aber, daß ein heftiges "Auf den Rücken werfen" bei einem Dackel oder Jack-Russel-terrier schnell zu Komplikationen führen kann, sei es, daß die besitzer Streß machen oder der Hund selbst verletzt wird.
ich denke, daß sie dieses hauptsächlich aus Ängstlichkeit tut, aufgrund ihrer Größe sich nicht mehr unterwerfen kann, und deswegen so reagiert.
Meine Frage sit nun, wie gehe ich in solchen Situationen mit dem Hund um? Im Moment nehme ich sie bei kleinen Hunden vorsichtshalber ran, einfach, weil sie nichtm ein Hund ist und um kelni sdtreß mit den Hundebesitzern zu kriegen, bei größeren lasse ich sie dann gewähren.
Wenn es dann zu einer rauferei zwischen den beiden kommt, passiert grundsätzlich nichts von der Dobermannhündin aus. Aus dem Grunde ist ihr Sozialverhalten grundsätzlich ok, sie hat nur einfach nicht gelernt, vorsichtiger mit kleinen Hunden umgehen zu müssen.Gegenüber menien beiden verhält sie sichsehr freundlich, und nur spielerisch ein wenig zu ruppig. Liegt aber wohl daran, daß meine beiden schon älter sind, und sie schon von Anfang mit"erzogen" haben.
Wie verhalte ich mich bei Kontakt mit anderen Hunden richtig?
über Tips wäre ich dankbar.


von Briard-Jutta(YCH) am 22. Januar 1999 16:47

Liebe Annegret,

Dobermänner gehören nicht zu den hundefreundlichen Rassen (Ausnahmen gibts natürlich immer). Die meisten von ihnen sind ausgesprochen jugendzahm und werden mit zunehmendem Erwachsenwerden immer distanzierter gegenüber Menschen und Hunden. Bei einer erwachsenen Hündin, egal welcher Rasse, ist im Umgang mit anderen erwachsenen Hündinnen und Welpen IMMER Vorsicht geboten. Es besteht die Möglichkeit, daß sich die Hündinnen schwer verletzen und die Welpen getötet werden. Der Grund liegt im Wolfserbe, das die weiblichen Tiere dazu veranlaßt, ihr Revier vor Freßkonkurrenten für den eigenen Wurf zu schützen. Besonders Dobermänner zeigen dieses Verhalten (in Verbindung mit ausgeprägtem Revierverhalten) oft.

Deine Hündin hat auch offensichtlich als Welpe nicht gelernt, mit schwächeren/ kleineren Welpen angemessen zu spielen. Leider ist das das Problem in vielen Welpengruppen, daß die Trainer mit dem Argument "Das machen die Hunde schon unter sich aus" zulassen, daß die stärkeren beliebig wild mit den schwachen umspringen dürfen. Und die Besitzer großer Rassen neigen auch eher dazu, nicht einzugreifen, weil ihr Hund ja in der besseren Position ist.

Wie ist denn Deine Hündin im Verhalten insgesamt? Attacken gegen schwächere Tiere zu reiten, ist an sich eher bei unsicheren Hunden der Fall. Selbstsichere Hunde haben das nicht nötig, sie reagieren in der Regel gelassen auf die Kleinen, auch wenn die die dicke Lippe riskieren. Ich würde jedenfalls der Hündin nachdrücklich klarmachen, daß Du dieses Verhalten nicht billgst. Macht sie einen Schwächeren nieder, hebelst Du sie aus und leinst sie an. Das geht am besten mit einem Brustgeschirr, wo Du ganz bequem den Rückengurt packen und Deine Süße auf die Seite heben kannst (mit Schwung, so daß möglichst alle Viere vom Boden sind). Sie am Halsband wegzurucken oder zu ziehen, ist nicht gut. Du verstärkst dadurch die Aggression. So kannst Du versuchen, ihr Mäßigung im Umgang beizubringen - zu einer umsichtigen Beziehung gegenüber schwächeren Hunden wirst Du sie aber kaum bringen, das hätte sie früher lernen müssen. Ansonsten halte ich es durchaus für sinnvoll, sie einfach davon abzuhalten, kleinere Hunde niederzumachen. Laß sie ihre Kräfte mit Hunden ausprobieren, die ihr gewachsen oder überlegen sind (wobei ich Rüden vorziehen würde).

Wenn Du den Kontakt zu kleinen Hunden meiden willst, dann trainiere, Deine Hündin abzulenken, wenn Euch einer begegnet. Sonst hast Du u.U. bald die Situation, daß die Hündin jedesmal beim Anblick eines kleineren Hundes an der Leine zur Furie wird. So kann sie lernen, sie zu ignorieren. Dfür wird sie von Dir belohnt.

Liebe Grüße,
Jutta

von Stephan & Nash(YCH) am 25. Januar 1999 10:41

Hallo Jutta,

Deine Beiträge finde ich immer lesenswert, logisch aufgebaut und daher gut verständlich. Kompliment!

Trotzdem frage ich mich manchmal, woher Du dieses Wissen hast, vor allem zu den einzelnen Rassen. Machst Du Dich da jedesmal schlau, oder wie kann ich mir das vorstellen?

Woher nimmst Du das, dass Dobermänner mit zunehmenden Alter immer distanzierter gegenüber Menschen würden?

Liebe Grüsse

Stephan

von Briard-Jutta(YCH) am 25. Januar 1999 15:56

Lieber Stephan,

zunächst mal: Danke für das Kompliment, ich freue mich sehr darüber, wenn es mir gelingt, das, was ich denke, verständlich rüberzubringen!

Was das Wissen über einzelne Rassen betrifft: Ich arbeite im Jahr mit ca. 100 verschiedenen Hunden, davon etwa zwei Drittel im Problemhundebereich (Einzeltraining), das andere Drittel auf dem Hundeplatz. Da ergibt sich ganz zwangsläufig der Umgang mit einer Vielzahl von Rassen (und ihren diversen Mischlingen). Natürlich sehe ich bestimmte Rassen häufiger als andere, was letztendlich mit deren Popularität zu tun hat. Zu jeder "neuen" Rasse, mit der ich zu tun habe, besorge ich mir zunächst alles an Literatur, was mir lesenswert erscheint. Bei seltenen Rassen ist das oft gar nicht so einfach. Außerdem rücke ich dauernd den Züchtern auf die Pelle und höre mir ihre Erfahrungen mit ihrer Rasse an.

Dobermänner sind aber beispielsweise ziemlich häufig vertreten. Sie kommen von verschiedenen Züchtern, haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, sind von...bis...Jahre alt und zeigen durchaus unterschiedliche Verhaltensweisen. Trotzdem entsteht im Laufe der Jahre ein gewisses Bild des Hundetyps. So kann man z.B. bei den Dobis in den letzten fünf Jahren insgesamt eine starke Neigung zur Nervosität feststellen, die an sich alles andere als erwünscht und idealtypisch (im Sinne des Rassestandards) ist. Das oft extrem hunde- und menschenfreundliche Verhalten im Jugendalter ist am charakteristischten für alle Hunde des Lagerhundtyps, aber es fällt auch bei manchen anderen Rassen auf.

Dank zunehmendem Interesse vieler Hundebesitzer an Welpenprägespieltagen und Hundekontakten allgemein, erlebe ich die meisten jungen Dobermänner als sehr verträglich. Am einfachsten sind Unterschiede zum erwachsenen Dobermann dann festzustellen, wenn ich den Hund bereits in der Welpengruppe hatte und seine Entwicklung kontinuierlich mitverfolgen kann. Und genau da stelle ich sehr oft fest, daß absolut umgängliche Junghunde mit ca. 3-4 Jahren keinen gesteigerten Wert mehr auf freundschaftliche innerhundliche Kontakte legen. Sie zeigen sich oft distanziert bis aggressiv, obwohl sie ausreichend sozialisiert wurden. Das fällt wiederum stärker bei Hündinnen als bei Rüden auf.

Natürlich gibt es immer Ausnahmen, wir haben sogar einen auf dem Platz: Ein sechsjähriger Zuchtrüde, der als "Erziehungsrüde" bei den Welpen und Junghunden eingesetzt wird und auch mit anderen erwachsenen Rüden sehr umgänglich ist. Er ist allerdings ein Bild von Selbstsicherheit und Ruhe und provoziert dadurch besonders unsichere Hunde nicht im Geringsten.

Eine Tendenz kann ich aber, wie gesagt, deutlich beobachten - so wie andererseits bei den Golden Retrievern das Welpenverhalten bei erwachsenen Tieren auffällt. Während ich bei den Dobermännern das Verhalten darauf zurückführe, daß der Schutztrieb dieser Hunde sehr ausgeprägt ist, und sie deswegen die Umgebung ihres Herrn wachsam beäugen (und eventuell verteidigen), scheint bei den Golden die Zuchtauslese in Richtung absolute Aggressionsfreiheit zu gehen (was ich sehr bedenklich finde).

So, das wars fürs erste, ich hoffe, ich habe Deine Fragen ausreichend beantwortet,

liebe Grüße,
Jutta

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