Ängstlicher Hund nimmt Reissaus. :: Hundeerziehung + Soziales

Ängstlicher Hund nimmt Reissaus.

von ChristineHd(YCH) am 08. Februar 2001 16:02

Hallo Regula,
pauschale Tipps kann man nicht geben, aber ein paar Dinge zum überlegen:
Manchmal ist Reizüberflutung ein Weg, besser als vereinzelte geräusche, also z.B ein Besuch im Park, nicht allzu belebt, aber auch nicht zu leer.
Im Park dann ruhiges, souveränes Üben. Wenn der Hund Panik zeigt, einfach stehenbleiben, solange, bis keine Angst mehr gezeigt wird, dann erst ein Kommando zb Sitz und dann erst weitergehen.
Geräusche auf Kassette aufnehmen oder den Fernseher laufen lassen
Nicht weiterziehen, der Hund blockiert psychisch.
Und - ich hätte es selbst nie gedacht: Clickertraining ist super für ängstliche Hunde.
Den Hund in der Angst zu beruhigen ist schwierig, da manche es falsch machen und dann den Hund eigentlich für die Angst belohnen. Ansonsten wäre es ein sehr guter Weg, meinen Hunden hat es immer geholfen und sie haben Riesenfortschritte dadurch gemacht.
Keine Sprüche wie "Schau, da ist doch nichts" usw.
Anleinen nicht panisch, bekommt Signalwirkung. Besser jetzt mal eine Zeitlang mit 10-M-Leine und gezielt Üben: Bei Gefahr zu mir, denn ich bin dein Rudel, ich gebe Schutz" und nicht "Flucht". Hilfreich dafür: In die Hocke gehen, Arme weit öffnen, wenn Hund kommt, in die Arme nehmen, ruhig anleinen und dann leicht Übungen üben.
Selbst auf alles völlig cool reagieren.

Waren jetzt viele Dinge, aber vielleicht ist ja was sinnvolles dabei. Falsch ist behutsames Gewöhnen insofern, daß es bei Umweltgeräuschen kein behutsames Gewöhnen gibt, denn es liegt in der Natur der Sache, daß sie unvermittelt eintreten. DeshalbJe mehr der Hund mit Geräuschen konfrontiert wird, umso mehr werden sie einfach mit dazu gehören. Natürlich muß man den Hund da beobachten, er soll ja nicht verrückt werden.
Alles Gute für die sensible Maus
ChristineHd

von Sylle(YCH) am 08. Februar 2001 16:22

Falsch ist behutsames Gewöhnen insofern, daß es bei Umweltgeräuschen kein behutsames Gewöhnen gibt, denn es liegt in der Natur der Sache, daß sie unvermittelt eintreten. DeshalbJe mehr der Hund mit Geräuschen konfrontiert wird, umso mehr werden sie einfach mit dazu gehören.

Das sehe ich anders. Hat der Hund z.B. vor Verkehrslärm Angst, wäre es total kontraindiziert, sich zur Gewöhnung an die Autobahn zu stellen. Natürlich fängt man besser in ruhiger Umgebung an und dosiert langsam höher, indem man sich vorsichtig verkehrsreichen Gegenden nähert.
Die Geräusche-CD drehst Du ja auch nicht beim 1.mal auf volle Lautstärke, sondern beginnst behutsam und steigerst dann.
Grüße
Sylle

von ChristineHd(YCH) am 08. Februar 2001 17:55

Hallo Sylle,
natürlich sollte man sich nicht an die Autobahn stellen. Viele verwechseln aber behutsam mit selten.
Und klar setze ich einen Hund mit gewitterangst nicht einfach in ein Gewitter.

Umweltgeräuschen aber kann man nicht immer aus dem Weg gehen. Wichtig ist natürlich immer, den Hund zu beobachten und ihn nicht zu überfordern. Mein Husky wäre aber noch heute mit 10 jahren scheu, hätte ich ihn nicht immer wieder mit Menschen insofern konfrontiert, daß er eben an ihnen vorbeigehen muß, weil ich halt nicht auf einer einsamen Insel lebe.

Ganz klar ist, daß ängstliche Hunde gegenüber menschen z.B sehr viel stärker reagieren, wenn nur einer kommt, als wenn mehrere da sind. Ein Knall ist schlimmer, als eine mäßige Geräuschkulisse.
Die Kunst eines Ausbilders wäre, die Reaktionen des Hundes zu verstehen, um nicht zu weit zu gehen, wie es offensichtlich bei dir der fall war? Das ist natürlich kontraindiziert. Dadurch wird kein Hund "Besser", im Gegenteil, da gebe ich dir Recht.

Eine wichtige Rolle bei Ängsten spielt wohl, meiner Meinung nach, der Besitzer. Je intakter die Gemeinschaft, umso "mutiger" geht der Hund mit Ängsten um.
Wichtig ist auch, Ängste nicht dramatisch zu sehen. Klingt jetzt hart. Aber wenn ich meine jetztige scheue Hündin bemitleide, mit ihr leide, dann lernt sie gar nichts, weil dann auch für mich ihre Angstsituationen zum Problem werden.
Ihre Ängste sind da. Ende. Und das, was ihr Angst macht, nämlich Menschen, ist auch da. Punkt. Und ich bin das Verbindungsstück, Mittler und ruhender Pol. Sie wird täglich konfrontiert. Anfangs hatte sie auch Panikattacken, Fluchtversuche. Und jetzt? Es gehört dazu, sie hat gelernt, daß nichts passiert, daß man völlig gelassen vorbeigehen kann, weil ich völlig gelassen bin. Sie führt als ehemaliger Kaspar-Hauser-Hund nach nur 8 Monaten ein normaleres Leben als es so mancher wohlgeprägte Welpe führt. Panik vor Geräuschen hatte sie Anfangs auch. Aber diese Geräusche waren eben da. Immer wieder. Und die Straße war da, Hupen, Türenschlagen usw. Heute schaut sie nicht mal mehr.
Deshalb denke ich, behutsam und behutsam sind manchmal zwei dinge. Versuch nicht gleich, auf Konfrontation zu gehen, weil Du leider eine schlechte Erfahrung mit wenig sensiblen Hundetrainern gemacht hast. Es gibt auch andere.
Lange Grüße
ChristineHd

PS. apropos Geräuschecd. Mein alter Hund hatte Angst vor Gewitter. Die Gewittercd habe ich auf volle Lautstärke gedreht, die Wände fibrierten. Mein Hund zeigte keine Reaktion, er schlief! Schließlich war das Gewitter nicht "echt". Ihm halfen nur Rescue-Tropfen und sonst keine einzige Desensibilisierung

von Sylle(YCH) am 08. Februar 2001 18:14

.
: Deshalb denke ich, behutsam und behutsam sind manchmal zwei dinge. Versuch nicht gleich, auf Konfrontation zu gehen

Hallo,
ich wollte nicht auf Konfrontation gehen, sondern nur etwas klarstellen. So, wie Du jetzt Deine Vorstellung von "behutsam" beschreibst kann ich Dir voll und ganz zustimmen.
Im Übrigen denke ich, solche Sachen sind auch rasseabhängig. Es mag Ausnahmen geben, aber Collies sind nicht sonderlich hart im Nehmen, sondern häufig extrem sensibel und das muß der Besitzer eben beachten.

Was Du von der Geräusche-CD schreibst, kann ich bestätigen. Ich habe gar keine angeschafft, weil meine Hündin auf Laute aus dem Fernseher überhaupt nicht reagierte.

Grüße
Sylle

von ChristineHd(YCH) am 08. Februar 2001 19:19


: Im Übrigen denke ich, solche Sachen sind auch rasseabhängig. Es mag Ausnahmen geben, aber Collies sind nicht sonderlich hart im Nehmen, sondern häufig extrem sensibel und das muß der Besitzer eben beachten.

Ja, da stimm ich dir zu

Liebe grüße
christineHd

von Regula(YCH) am 09. Februar 2001 06:15

Vielen Dank für eure Tips! Ich werde sie gerne weiterleiten.
Viele Grüsse, Regula

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