Ängstliche Schutzhunde? :: Hundesport & Freizeit mit Hund

Ängstliche Schutzhunde?

von Monika L.(YCH) am 08. Oktober 2001 18:36

Hallo

Ich war am Samstag bei der Diensthunde-Schweizermeisterschaft zuschauen. War ganz interessant, zweimal habe ich jedoch das Verhalten eines Hundes nicht verstanden:

Ein Mali hat (nach einer krass vergeigten Unterordnung; Hund ist mittendring weggelaufen) immer wieder die Leine ins Maul genommen und daran gezerrt. Ich dachte, er wolle den Führer zum Spielen auffordern. Dabei hatte der Hund jedoch die ganze Zeit den Schwanz eingeklemt. Wieso das, wenn er ja spielen wollte?

So quasi als Showeinlage wurden ein paar Übungssequenzen aus der Sprengstoff-Suchundeausbildung gezeigt. Der Hund machte eingentlich nicht den Eindruck als hätte er Angst, der Ausbilder hat auch leise mit ihm gesprochen. Trotzdem hatte der (wahrscheinlich noch junge) Mali auch meistens den Schwanz eingeklemt. Wieder: warum? Er hat die Sache gut gemacht, wieso hätte er sich fürchten sollen?

Was mir weiter aufgefallen ist: Sehr häufig wurde an Stelle oder zusätzlich zum Komando Sitz an der Leine geruckt, so ein bis drei Mal. Warum? Gehorchen die Hunde zu wenig schnell oder was?

Noch ein Wieso: Während der Unterordnung brüllt der Führer den Hund, der neben ihm bei Fuss läuft, an, wenn der Hund Platz machen soll. Ich dachte, Hunde hätten gute Ohren. Ist das eine (Macho-)Angewohnheit von Schutzhundeführern oder was soll das?

Positiv aufgefallen ist mir, dass die Hunde sehr verträglich waren. Ich habe kein Anpöbeln und Anmachen unter den Hunden gesehen. Alles in Allem war es eine interessante Erfahrung, allerdings mit ein paar Fragezeichen. Vielleicht könnt Ihr mich ja aufklären.

Grüsse
Monika L.

von Mel(YCH) am 08. Oktober 2001 21:08

Hallo Monika,

das sind ziemlich viele Fragen ;-)
Vielleicht zuerst mal zu dem lautstarken "Platz". Ich weiß ja nun nicht ob es wirklich sehr übertrieben gebrüllt war, aber grundsätzlich ist das Platzkommando auch ein Notkommando. Also wenn mein Hund draussen einer Gefahr entgegenläuft oder so, dann wird platz gebrüllt und der Hund hat sich sofort hinzuschmeissen. Ich kenne es aus dem Hundesport eigentlich fast nur als ein relativ lautes Kommando, schon um es von der Sitzübung zu unterscheiden. Aber das hält jeder anders.

Zu Deinen anderen Fragen kann ich eigentlich nicht so viel sagen, denn ohne es selbst gesehen zu haben ist es echt schwer.
Ich denke mal das bei der Sprengstoff-Suchhundeübung ein nicht fertiger Hund gezeigt wurde, der seine Sacha zwar schon gut drauf hat, aber halt auch nicht nur über Spiel gearbeitet wird sondern auch unter einem gewissen Zwang...das ist das einzigste was ich mir vorstellen kann.
Ansonsten gibt es natürlich auch noch eine reihe undramatischere Erklärungen dafür...deshalb ist es echt schwer was dazu zu sagen.

Zu den Leinenrucken in der Sitzübung.
Das haben die doch nicht während der Meisterschaft gemacht, wo es bewertet wurde oder?? Wenn doch dann verstehe ich es nicht.
Wenn nicht, dann hast Du es Dir schon selbst erklärt.
So wird unter anderem schnelles und korrektest Sitzen geübt.

Aber vielleicht haben ja andere hier aus dem Forum noch bessere Ideen...
Bin gespannt :-)

Gruß Mel

von Antje(YCH) am 09. Oktober 2001 05:24

Hallo Monika,

: Ein Mali hat (nach einer krass vergeigten Unterordnung; Hund ist mittendring weggelaufen) immer wieder die Leine ins Maul genommen und daran gezerrt. Ich dachte, er wolle den Führer zum Spielen auffordern. Dabei hatte der Hund jedoch die ganze Zeit den Schwanz eingeklemt. Wieso das, wenn er ja spielen wollte?

Das, was Du als Spiel angesehen hast, war warscheinlich eine Übersprungshandlung. So etwas machen Hunde (nicht nur Hunde, auch Menschen) immer dann, wenn sie mit einem Konflikt nicht zurecht kommen. So, wie Du die Unterordnung des Hundes beschrieben hast, muß der Hund voller Konflikte gewesen sein.


: So quasi als Showeinlage wurden ein paar Übungssequenzen aus der Sprengstoff-Suchundeausbildung gezeigt. Der Hund machte eingentlich nicht den Eindruck als hätte er Angst, der Ausbilder hat auch leise mit ihm gesprochen. Trotzdem hatte der (wahrscheinlich noch junge) Mali auch meistens den Schwanz eingeklemt. Wieder: warum? Er hat die Sache gut gemacht, wieso hätte er sich fürchten sollen?

Auch hier hat der Hund einen Konflikt. Warscheinlich ist er noch nicht sehr routiniert. Bei der Suchen nach Sprengstoff oder Rauschgift sucht der Hund sein Spielzueg. Notwendig sind hier sehr triebstarke Hunde, die auch nach einem Mißerfolg bzw. längerer erfolgloser Suche nicht ausgeben, ihr Spielzeug zu fordern. Entsprechend stark ist ihr Wille, das Spielzeug haben zu wollen. Im Gegensatz zum Rauschgifthund ist es aber für den Sprengstoffhund (und seinen Hundeführer) lebensgefährlich, wenn er das Ziel seienr Begierde (= den Sprengstoff) berührt oder gar darauf herumspringt oder daran kratzt (war ein Rauschgift z.B. bei einem mit Rauschgift gefüllten Koffer durchaus tun kann). Also lernt der Hund, den Sprengstoff zu verweisen, er darf ihn auf keinen Fall berühren. Logisch, daß der Hund dann einen Konflikt hat, er will zu dem Sprengstoff, weil er weiß, daß er dann mit einem Beutespiel belohnt wird, muß sich aber beherrschen und darf das Zeug nur verweisen. Im weiteren Verlauf seiner Karriere (der Hund braucht einfach Routine) wird er mit diesem Konflikt besser fertig werden, gelassener wirken.


: Noch ein Wieso: Während der Unterordnung brüllt der Führer den Hund, der neben ihm bei Fuss läuft, an, wenn der Hund Platz machen soll. Ich dachte, Hunde hätten gute Ohren. Ist das eine (Macho-)Angewohnheit von Schutzhundeführern oder was soll das?

Zum einen gibst Du die Kommandos imemr so laut, daß der Leitsungsrichter sie gut hören kann, sonst könnte es passieren, daß Du Puntke für ein selbstständiges Arbeiten des Hundes gezogen bekommst (der Hund kann sich ja auch ohne Kommando selbstständig legen). Zum anderen hören sihc die Kommandos "sitz" und "Platz" für den Hund sehr ähnlich an, so das leicht eine Verwechselung entstehen kann. Viele Hundeführer behelfen sich dadurch, daß sie das "Sitz" leise sagen und das "Platz" laut, dann kann es der Hund besser unterscheiden. Hinzu kommt, daß man bei der Übung "Vorraus", in welcher der Hund ebenfalls mit "Platz" in eine liegende Position gebracht wird, oft mit einem Beuteobjekt arbeitet und das Kommando "Platz" in diesem Fall ein Abbruchkommando (wie beim Wildern) ist.


: Positiv aufgefallen ist mir, dass die Hunde sehr verträglich waren. Ich habe kein Anpöbeln und Anmachen unter den Hunden gesehen.

*grins* Diesen Diskussionspunkt hatten wir letzte Woche schon mal hier im Forum...

Viele Grüße

Antje

von Sandra(YCH) am 09. Oktober 2001 07:02

Hi Monika.

Mich würde es interessieren ob der Hund weiter vorgeführt wurde, nachdem er das Weite gesucht hat. Eigentlich bringt dies eine Disqualifikation zur Folge.

Was das laute Platzkomando bei der Unterordnung angeht, kann ich meinen Vorrednern nicht zustimmen. Wir betonen im Hundesport die Komandos unterschiedlich, so lernt es jeder gleich zu Anfang!
Komando Sitz wird lang gezogen (Siiieeeeetz) Komando kommt kurz (Platz) wenn also jemand das Komando laut gibt, ist es für mich ein Zeichen, das er die Schwäche seines Hundes kennt, nämlich das er sich nur zögernd ablegt. Das wiederum hätte Punktabzug zur Folge.

Der Hund steckt wie bereits erwähnt in einem Konflikt, das was er mit der Leine machte, war ne Ersatzhandlung um diesen Konflikt zu überbrücken. Da der Hund die Rute eingeklemmt hatte, liest es sich für mich, als wäre der Hund über den Zwang gearbeitet worden, damit der Hundeführer mit ihm teilnehmen konnte.

Warum sollten Schutzhunde denn agressiver sein als andere? Wir haben keine Bestien, sondern Sporthunde. Die einen machen halt Schutzhundesport, die anderen Agility oder Breitensport und was weis ich nicht noch alles. Wir Schutzhundler haben daher Schutzhunde, die Agility Leute haben Agilityhunde usw. Das wiederum heißt jedoch nicht, das uns unsere Hunde besser beschützen oder mehr agressiv sind als andere.

Gruß Sandra

von Antje(YCH) am 09. Oktober 2001 07:47

Hallo Sandra,

: Was das laute Platzkomando bei der Unterordnung angeht, kann ich meinen Vorrednern nicht zustimmen. Wir betonen im Hundesport die Komandos unterschiedlich, so lernt es jeder gleich zu Anfang!
: Komando Sitz wird lang gezogen (Siiieeeeetz) Komando kommt kurz (Platz)

So macht es wohl eigentlich jeder, trotzdem hört es sich für den Hund manchmal ähnlich an, Du hast ja auch noch das "Steh" (Platz und Sitz werden selten verwechselt, eher Sitz und Steh).


: wenn also jemand das Komando laut gibt, ist es für mich ein Zeichen, das er die Schwäche seines Hundes kennt, nämlich das er sich nur zögernd ablegt.

Oder ein Ausbildungsstand. Meine Hündin deutete im Frühjahr immer selbstständig das Platz an, so nach ca. 8 Schritten (da reichte dann ein geflüstertes "Platz"winking smiley. Daraufhin habe ich ihr im Laufschritt nach ca. 15 Schritten immer den Ball nach vorne weg geworfen. Natürlich benötige ich dann erst einmal ein Abbruchkommando, daher ein lauteres "Platz". Und zur Sicherheit in der Prüfung natürlich sehr deutlich. Man hat seinen Hund die Saison über nie auf dem gleichen Stand stehen. Wenn es Probleme in die eine Richtung gibt, muß man in die andere Richtung ausgleichen.

Viele Grüße

Antje

von Sandra(YCH) am 09. Oktober 2001 09:06

Hi Antje!

Sorry aber das ist ein Irrglaube. Die Hunde hören bei weitem besser als wir, sie verwechseln Komandos ganz sicher nicht. Bei Steh wird das ST extra betont, oder machst Du es nicht so? (St eeeh)

Wir machen es den Hunden lediglich einfach, indem wir Komamdos unterschiedlich betonen. Fängt ein Hund das schleichen an, weil er das Platz vermutet, liegt ein Ausbildungsfehler vor. Immer Schema X, ist doch klar das der Hund dann das eigenständige Arbeiten anfängt.
Beispiel: Platz in Verindung mit Herankommen.
Wackel mal mit den Schultern, denn sie wackel auch beim Abruen. Wetten das der Hund zuckt, weil er denkt er wird abgerufen?

Ebenso lasse den Hund mal länge als gewohnt vorsitzen, wetten er kommt automatisch bei Fuß? Das alles liegt in der Natur der Hunde, sie kennen den Ablauf und wissen daher genau was kommt.
Darum sollte man den Ablauf beim üben schon unterschiedlich gestalten und nicht immer Schema X.

Die letzten Male vor der Prüfung, da solle man es dann machen, schon alleine um es den Hund einfacher zu machen. Das einzige was ich immer gleich mache ist folgendes: Nach der Gruppe kommt die Freifolge, nach dem Bringen das Voraus, alles andere gestalte ich von Übungstag zu Übungstag unterschiedlich.

Im Hund muss immer die Spannung gehalten werden, der Ball oder Leckerlie können immer kommen, so schaut der Hund einen stets an und denkt überhaupt nicht daran eigenständig zu arbeiten.
Sag mal Sieeetz, obwohl eigentlich Platz kommen müsste. Wetten der Hund legt sich?

Das aber nicht weil er nicht richtig hört, sondern weil er ein Gewohnheitstier ist und immer nach Schema X gearbeitet wird. Mein Hund soll nicht eigenständig arbeiten, also gestalte ich die Übungen in unterschiedlicher Reihenfolge und gerade vor Prüfungen sind die Pausen zwischen den Hörzeichen länger als sonst. Er soll reagieren wenn ich es sage, nicht wenn er es will.

Gruß Sandra

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