Angstpipi? :: Hundeerziehung + Soziales

Angstpipi?

von Anke mit Moira(YCH) am 15. Februar 2002 21:11

Hallo!
Mein Freund und ich haben uns im Oktober 2001 entschlossen, einen Hund aus dem Tierheim zu holen.
Sie ist etwa ein Jahr alt und kommt von der Strasse.
Zu Beginn war sie sehr ängstlich und überflutete regelrecht unsere Wohnung, obwohl wir häufig mit ihr gassi waren.
Sie ist auch stubenrein, bis auf die Momente, in denen sie nicht versteht, was wir von ihr wollen, oder sie etwas tut, was sie nicht soll (z.b. Essen vom Teller " stehlen"winking smiley und dafür geschimpft wird, wenn wir sie erwischen.
dann ist die nächste Flutwelle nicht fern.
Unser Problem ist, daß wir nicht wissen, wie wir darauf reagieren sollen.
Schimpfen ist sinnlos und wurde von uns von vorneherein ausgeschlossen.
Ignorieren war der nächste Rat, den wir versuchten, aber ein bereits pinkelnder Hund hört nunmal nicht auf, wenn er schon dabei ist.
Da wir Schläge oder jede andere Form der Gewalt ausschliessen, bleibt eigentlich nur die Frage nach dem WIESO. Vielleicht gibt es jemand mit ähnlicher erfahrung, der uns Tipps geben kann.

von Karin & Rottis(YCH) am 16. Februar 2002 15:54

Hallo!

Dass Hunde aus Angst oder Freude pinkeln, kann bei sensiblen Tieren vorkommen. Wie verhaltet ihr euch, wenn sie pinkelt, d.h. macht ihr es gleich weg, schimpft ihr oder ignoriert ihr es einfach? Schimpfen macht es auf jeden Fall noch schlimmer, sie pinkelt ja nicht, um euch zu ärgern. Schimpfen würde das Vertrauen, dass sie zu euch aufgebaut hat, wieder zerstören. Da könnte auch das Problem liegen. So schwer es fällt, man muss erst eine Vertrauensbasis schaffen, bevor man den Hund massregelt. Erst wenn sie merkt, dass ihr nichts Schlimmes passiert, kann sie auch Schelte verarbeiten. Am besten ist erst einmal, das Verhalten zu ignorieren, die Pfützen wegmachen, wenn sie nicht dabei ist, und überlegen, ob ihr dem Mädchen nicht vielleicht (auch unterschwellig) mehr angst macht, als ihr eigentlicht wollt. Leider sind eben Ferndiagnosen immer sehr schwer, weil so viele Faktoren mit hineinspielen.

Viele Grüße von Karin & Rottis!

von Kerstin mitRakker(YCH) am 16. Februar 2002 16:30

Hallo Anke,
ich finde es toll, dass ihr einen Hund aus dem Tierheim holt und auch behaltet, obwohl sie so "undicht " ist. Ich denke, dass es tatsächlich Unsicherheit ist. Erstens bessert sich das mit dem zunehmenden Alter und zweitens, wenn ihr es ignoriert. Mein Vater hatte eine Hündin (mit 8Wochen zu ihm gekommen), die in ihrem ersten Lebensjahr pinkelte, einfach weil sich jemand über sie beugte, um sie zu streicheln. Keine Tropfen sondern Seen!! Das war schon zu bedrohlich für sie . Mein Vater hat sich tierisch aufgeregt und damit alles schlimmer gemacht. Dann kam die Kleine im Urlaub zu uns, für drei Wochen, hatte ihre Ruhe und aus den Seen wurden Tropfen, die schliesslich verschwanden. Wir haben sie nur vor dem Haus begrüßt, da ist es dir auch selber egal, ob sie pieselt oder nicht. Sonst haben wir vermieden, uns über sie zu beugen. Schliesslich ist auch mein Vater in die Knie gegangen, um sie zu streicheln und es war vorbei.Mit zwei Jahren passierte es echt nie mehr.
Bei ihr lag der Fall einfach. Bei einem Hund von der Straße kommen noch andere Dinge dazu. Sie hat für ihr Futter selbst gesorgt, also versteht sie nicht, warum sie sich nichts vom Teller nehmen soll. Um ihr das deutlich zu machen, wäre der Clicker eine sehr gute Methode. Schau mal bei www.clicker.de nach, wie man anfängt und dann folgende Übung: Lekkerchen in die Faust, Hund schaut auf die Faust. Sobald der Blick von der Faust weg auf dich geht, click und Belohnung. Wenn sie das kapiert hat, das Futter auf einen Teller legen und das Spielchen wiederholen. Aufpassen, dass sie NIE selber was von dem Teller schnappen kann! Du selber kannst die Belohnung ruhig mit der Hand vom Teller nehmenund ihr geben. Du kannst den Teller überall hinstellen, wo der Hund was fressbares klauen könnte und damit alle möglichen Stellen "verbieten" . Rakker hat es sehr gut kapiert und klaut nichts mehr, was auf einem Teller liegt. Nur noch Sachen, die ohne Teller auf dem Tisch stehen oder die Möhren der Meerschweinchen....
Viel Geduld und Erfolg wüncht Kerstin mit Rakker

von Susanne07(YCH) am 16. Februar 2002 21:55

Hallo Anke,

den Hund den du beschreibst - das könnte meine Sammy sein. Wir haben sie vor ca. 3,5 Jahren aus dem Tierheim geholt, sie war damals geschätzte 3 bis 4 Jahre alt. Glücklicherweise hat man uns schon im Tierheim auf ihr "Pinkelproblem" aufmerksam gemacht. Ihre Vergangenheit war unbekannt (Fundhund), aber offensichtlich war sie früher geschlagen worden.

Sie war zu Beginn ebenfalls sehr ängstlich, hat die Wohnung fünf- sechs- siebenmal am Tag überflutet. Immer dann, wenn man sie zu "scharf" angesprochen hat (das war damals schon ein seichtes "hallo, du kleine, na wie geht's denn? - PINKEL), runterbeugen und streicheln, ranrufen, ermahnen etc. - naja, ihr scheint das ja zu kennen ;-)

Tja, wie haben wir's in den Griff bekommen?! Erstmal: VIEL LIEBE! Der Hund muß Vetrauen zu euch finden, also in den Pinkelsituationen nicht mit Strafe reagieren (*klar*). Wir haben es aber auch nicht völlig ignoriert, sondern sanftes Mißfallen geäußert (verbal, über Tonfall), um zu zeigen, dass das Pinkeln zwar nicht schlimm ist, aber auch nicht Gewohnheit bleiben soll.
Besserung hat sich sehr schnell eingestellt. Man lernt seinen Hund kennen, lernt Pinkelsituationen aus dem Weg zu gehen, sie nicht zu provozieren. Somit war's bei uns im privaten Bereich bald kein großes Problem mehr, Pinkeln kam nur noch einmal die Woche vor - in mißverständlichen Situationen halt.
Problem war weiterhin Besuch. Sowohl wenn wir irgendwo hingefahren sind, als auch wenn Besuch zu uns kam.
Wenn Besuch zu uns kam, haben wir die Besuchern angehalten, den oh-ich-freu-mich-dass-Besuch-kommt-Hund möglichst zu ignorieren, bis er "warmgelaufen", also aus der Pinkelgefahr heraus war. Darüber hinaus dem Besuch sagen, dass er dem Hund keine Befehle geben soll um somit mißverständlichen Situationen aus dem Weg zu gehen. Hat im Großen und Ganzen gut geklappt, Ausnahmen bestätigen die Regel - aber es ist ja unsere Wohnung.
Bei Besuch in fremden Wohnungen im Prinzip die gleiche Vorgehensweise, nur wenn's dann mal "daneben" geht muß man auf viel Verständnis hoffen, bzw. die Wohnungsbesitzer vorwarnen, was passieren kann und die Begrüssungszeremonie in das Treppenhaus (ohne Teppich) verlegen. Oder bei spießigen Leuten den Hund letztlich mal zu Hause lassen *schnüff*. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass wenn man erklärt, warum der Hund dieses Verhalten an den Tag legt und es von ihm nicht "böse" gemeint ist, oder der Hund schlecht erzogen oder nicht stubenrein ist, meist auf Verständnis trifft. Dazu noch ein kleiner Witz ("ach, haben wir wieder vergessen dem kleinen Baby die Windeln anzulegen" - auch wenn das völliger Quatsch ist) und man kann die Situation entschärfen. Man muß halt nur wissen, mit welchem seiner Freunde man es machen kann, und wo man den Hund besser zu Hause läßt (auch wenn jetzt vielleicht wieder einige widersprechen "ich würde für keinen menschlichen Freund in der Welt meinen Hund leugnen" - das muß jeder selbst entscheiden. Ich glaube eine Abwägung der Situation ist der beste Weg ;-)

Diese Vorgehensweise hat über einen Zeitraum von ca. 1,5 Jahren sehr große Erfolge gebracht. Wir haben bewußt viele Menschen eingeladen und auch Parties mit 60-80 Besuchern in unserer Wohnung veranstaltet OHNE den Hund auszuschließen, um ihn an solche Situationen zu gewöhnen.

Irgendwann trat aber eine Phase der Stagnation ein. Alle Situationen hatten wir gut im Griff, aber nicht sehr gut. Es kam immer wieder - in meinen Augen zu häufig - vor, dass sie pinkelte. Ich habe mich damals in diesem Forum informiert und bin somit auf die Bachblütentherapie aufmerksam geworden. Ich möchte jetzt keine umfangreiche Abhandlung darüber schreiben - du kannst dich über dieses Thema in diversen Forumseinträgen und im Internet und Büchern informieren - aber soviel sei grob gesagt: Bachblütentherapie kann bei seelischen Gleichgewichtsstörungen eingesetzt werden. Und diese lagen hier eindeutig vor, eine organische Pinkelursache konnte ausgeschlossen werden.
An dieser Stelle sei gesagt, dass ich ein eher rationaler Mensch bin und Bachblüten mir daher ein wenig Hokus-Pokus-mäßig erschienen. Wirkliche Wirkstoffe werden nicht verabreicht, es ist ähnlich wie bei der Homöopathie - Kritiker sagen, dass hier nur Wasser bzw. Alkohol verabreicht würde. Aber egal - man hatte mich mit vielen Erfolgsmeldungen überzeugt und so besorgte ich mir ein Buch und las mich in die Materie ein. In einem ausführlichen Auswahlprozeß entschied ich und mein Freund uns für zwei Blüten und verabreichte sie dem Hund.

Man kann nicht erwarten, dass dadurch von einem Tag auf den anderen Besserung eintritt! Aber nach ca. 4 Wochen Bachblütengabe, in der sich unsere Hündin eigentlich keinem "Härtetest" stellen mußte, besuchten wir Freunde in Dänemark. An diesem Wochenende floss Alkohol in rauhen Mengen, der Hund immer mittendrin, viele sinnlose Befehle im Suff ("Sammy, mach jetzt Sitz. Nun mach aber mal Sitz. *Drück Hinterteil runter* Los Sitz!"winking smiley. Fußballländerspiel, Hund wird in Fantrikot samt Mütze und Schal eingepackt. Betrunkene stolpern über den Hund etc., etc. - Kurzum: reiner Streß und viele Möglichkeiten zum Pinkeln. Und was war passiert? NIX! Sammy hatte nicht einmal gepinkelt! Es grenzte an eine Sensation...

Es war also eine deutliche Besserung eingetreten.
Und so ist der Status heute, ca. 1,5 Jahre später: es gibt immer noch Situationen, in denen sie pinkelt. Man kann damit aber sehr gut leben, den die Situationen sind gut vorhersehbar, bzw. beruhen auf eindeutigen Mißverständnissen. Es ist aber keine Vergleich mehr mit der Anfangszeit bzw. der Vor-Bachblüten-Zeit.
Bachblüten geben wir heute nicht mehr, wir haben uns nach einigen Wochen aus der Therapie "herausgeschlichen", ca. 1 Jahr später nochmals für einige Wochen eingesetzt (in Vorbereitung einer Urlaubspflege die Sammy bei meiner Mutter verbrachte).

Meine Empfehlung: ließ' dich in das Bachblüten-Thema ein und mach' dir ein Bild davon, ob's bei deinem Hund angebracht ist.

Wenn ja - do it!

Gruß,
Susanne007

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