Blickkontakt - wichtige Aspekte :: Hundeerziehung + Soziales

Blickkontakt - wichtige Aspekte

von Roswitha B.(YCH) am 01. Dezember 1998 09:04

Guten Morgen Suki und Maxi

Da ich erst seit einer Woche diese Foren kenne, etwas allgemeines vorab. Meine hier publizierten "Meinungen" sind immer breit abgestützt durch veröffentlichte Studien der Verhaltenstherapeuten (England, Amerika, Holland etc.), der Amerikanischen-Kanadischen Clicker-Leute, der Ethologie, Alltagsbeobachtungen etc.

Die feinste Nuance in der Beeinflussung eines Hundes ist der Blickkontakt oder eben das Unterlassen dessen. Der Blick ist oft ein erstes Zeichen für soziale Interaktionen des Hundes und somit beeinflusst auch unser Blick in sein Gesicht auf vielfältige Weise sein Verhalten.

Alltagsbeispiele zum Verdeutlichen:

Erschrickt ein Hund und wir schauen ihn deshalb an (wir wollen ja wissen, wie es ihm geht), ist er nun zu 100 % sicher, dass er einen Grund hatte, zu erschrecken. Unbedingt den direkten Blickkontakt vermeiden, aus dem Augenwinkel sieht's sich auch nicht schlecht. Der Hund wird das Geschehene eher als unwichtig einordnen, weil wir als Bezugsperson (in welcher "Rangstellung" auch immer) offensichtlich unbeeindruckt sind. Leute, die ihre Stimme gut im Griff haben, können auch ein Fest mit sich selbst anstimmen, d.h. ich jauchze und mache etwas, was dem Hund bekannt ist und ihm sehr gefällt. Schaue ihn aber dazu nicht an. Durch diese zusätzliche Aktivität kann er das durch das Erschrecken freigesetzte Adrenalin schneller abbauen (John Rogerson).

Sensible Familienhunde fühlen sich oft verunsichert, wenn man mit den Kindern schimpft. Diese Empfindung wird in ihm vor allem durch unsere Aufmerksamkeit ihm gegenüber bestärkt. Diese wiederum leiten wir mit einem direkten Blickkontakt ein. Dass wir ihn dann auch noch freundlich beruhigend, tröstend ansprechen, besiegelt die Mitteilung: Ja, Dich habe ich angeschrien. Tip: Sollte ein Hund sich schon betroffen fühlen, ihn zukünftig in solchen Situationen völlig ignorieren und sobald er wieder entspannt ist, mit ihm spielen etc. Dies hilft ein bisschen, um das Erlernte wieder abzubauen.

Für Mehrfachhundehalter: Schimpft man mit dem einen, den anderen völlig ignorieren und nicht neugierig rüberschauen, ob er sich jetzt auch betroffen fühlt. So schützt man vor allem auch den sensibleren Hund.

Und das bekannte Übel - an der Leine: In der Begegnung mit anderen Hunden baut der Blickkontakt fast zwingend Aggressionen auf, da sich die Hunde direkt aufeinander zu bewegen. Ist mein Hund der potentielle Angreifer, kann man seinen Blickkontakt durch Guetzli hinhalten und füttern unterbrechen und die Situation völlig entschärfen. Bei Hunden, die schon hohe Aggressivität zeigen, ist eine ausführlichere Beratung notwendig.

Beim Versuch einen scheuen Hund zu streicheln, bricht man das Eis durch Vermeidungdes Blickkontakts auch viel schneller. Kniend Guetzli offerieren und dabei neben sich zum Boden schauen und wenn's geht mit der Stimme noch fröhliche Aufforderung bekunden.

PS: Den Blickkontakt zum Hund nicht herzustellen, ist oft Überwindungssache. Wenn sich meiner kleiner Tolpatsch wieder mal das Knie in die Steintreppe rammt, schaue ich schon reflexartig weg und gehe weiter. Ich hätschelte ihn früher, wenn er wieder völlig selbstvergessen durch die Gegen trabte und die böse Treppe vergessen hatte. Beim verspäteten bemitleiden fühlte ich mich bald einmal dämlich, weil das Mitleid mit ihm bis dahin wieder verflogen war und hab's somit ganz aufgegeben.

Ich freue mich, wenn ich einigen Neugierigen hier was Neues aufzeigen konnte und kann den Versuch, dies Nachzuvollziehen allerwärmstens empfehlen.

Besten Dank an Suki und Maxi für das Nachhaken

Roswitha B.

von Anja(YCH) am 01. Dezember 1998 09:17

Hallo Roswitha,

kannst Du mir auch folgende erklären. Mein Hund vermeidet meiner Meinung nach den direkten Blickkontakt mit mir. Setze ich mich zB. vor ihn und streichel seinen Kopf, fällt mir immer wieder auf, daß er an mir vorbei schaut und mich nie direkt anguckt. Was hat das denn zu bedeuten? Diese Frage wollte ich schon länger hier im Forum stellen. Eure Diskussion war jetzt der Anreiz.

Gruß, Anja

von Roswitha(YCH) am 01. Dezember 1998 09:24

:kannst Du mir auch folgende erklären. Mein Hund vermeidet meiner Meinung nach den direkten Blickkontakt mit mir.......


Sali Anja

Ganz einfach (ich habe es lange aber auch nicht gerafft, erst nach meiner offiziellen Grundausbildung). Dein Hund stellt Dich eindeutig sozial höher als sich selbst. Ein direkter Blickkontakt zu Dir in dieser Situation wäre vom Hund aus gesehen eine Frechheit. Das heisst wiederum aber nicht, dass er Dich z.B. im Spiel nicht mit direktem Blickkontakt auffordert, weiterzumachen.

Das "Blickmysterium" ist wirklich eine sagenhaft subtile Art, mit Hunden zu kommunizieren.

Liebe Grüsse
Roswitha

von sabine & simbär(YCH) am 01. Dezember 1998 10:14

Hallo Roswitha,
was für eine Ausbildung hast Du denn? Ich interessiere mich ja auch für alles rund im den Hund, besonders interessiert mich z. Z. das Verhalten, warum reagiert ein Hund so und nicht anderes, war versteht/lernt der Hund, wenn der Halter dieses fordert und das nicht "korrigiert". Zum Thema "Blickkontakt" habe ich auch ein paar interessante Aussagen:

Anstarren/Fixieren: im Vorfeld einer Auseinandersetzung, wer zuerst wegguckt hat "verloren" und gibt sich mit dieser Rolle zu frieden. Wenn also mein Hund mich anstarrt und muß diesem Blick standhalten bis er wegguckt. Jeder Halter, der jetzt sagt: wie süß der guckt und die Augen abwendet, sinkt aus Hundesicht in der "Hackordnung".

Augen: spiegel meines inneren: Wenn ich sage: ich liebt dich nicht, sich aber aus einen Augen ein eindeutiges: ich liebe dich zeigen, ist klar was passiert, das ist schon im zwischenmenschen Bereich so. Bei Hunden funktioniert das genauso.

Stimmungsbarometer: mit den Augen lassen sich alle Stimmungen eindeutig herüberbringen. Ich kann traurig, fröhlich, warnend, gefährlich, listig, lustig etc. gucken und damit mein (hundliches) Gegenüber stark beeinflußen (positiv wie negativ)

Bei ängstlichen und dominaten Hunden ist es allerdings so sie den direkten Augenkontakt (in die Augen schauen) meiden. Die ängstlichen, weil ich als Halter mind. 50 Meter über ihnen stehe und der Hund meine "Chefposition" so respektiert und akzeptiert. Der dominate Hund vermeidet den Augenkontakt, weil er sich im klaren darüber ist, daß ich entsprechend "chefmäßig/dominat" zurückschaue und ihn (den Hund) zum Weggucken zwingen (rein gedanklich und nur mit meinen Blick - so als würde Wasser gefrieren). Der dominate Hund will aber nicht kleinbeigeben/verlieren, also geht er dieser Konfrontation aus dem Weg. Er führt zwar Befehle aus, ohne mir eines Blickes zu würdigen (ich habe ja schließlich die Wurfkette, Stachelhalsband, etc). Inwieweit dieser Hund erzogen und ausgebildet ist, kann nicht beantwortet werden, er führt die Befehle zwar aus (aus Angst) aber solange er nicht den Blickkontakt zum Halter halt und sich auf den Halter konzentriert und bereit ist, voller Vertrauen in meine Augen zu schauen, werden mit diesen Hunden immer Probleme auftreten.

Folgendes Beispiel paßt zum Thema: Menschen mit Hundeangst haben leider die Angewohnheit einem fremden Hund anzustarren (damit sie wissen, wo das Vieh jetzt ist), komischerweise fixieren die ängstlichen Menschen immer die Hundeaugen. Der Hund versteht jetzt meist nicht, warum dieser Zweibeiner sich vor "Angst fast in die H... macht und ihm (dem Hund) gleichzeitig in die Augen starrt. Die meisten Hunde werten nun das Anstarren als "Angriff" und der ängstliche Mensch wird schon wieder angegriffen. Ich kann Menschen mit Hundeangst nur raten, wenn sie schon wissen wollen, was der Hund jetzt macht, sollen sie ihm einfach auf die Füße schauen. So geht es meistens gut. Es kommt ja noch etwas dazu, keiner wird gerne angestarrt. Wenn Sie in ein Restaurant gehen, und ihr Tischnachbar "zieht sie mit Blicken aus" wird es ihnen ja auch unangenehm... dem Hund geht es genauso.


Ich denke auch, die Augen sind sehr wirksam, um unserem Hund verständlich zu machen, was er darf und was er soll. Jeder Hund sollte den Blickkontakt - im Sinne von das ist mein Chef - zum Halter suchen. Der Halter hat bei Augenkontakt - aus Hundesicht - entsprechend zu reagieren.

So, das waren erst einmal meine Gedanken zum Thema. Liebe Roswitha, sollten hier falsch Zusagen drin sein, bitte entsprechende Berichtigung.

Das ganze Thema Hund ist so komplex und vielschichtig das Irrtümer bestimmt vorkommen, außerdem sind sich ja die Experten auch nicht immer einig.

Auf Antwort wartend

Sabine & simbär

von Isis(YCH) am 01. Dezember 1998 10:13


Hallo Roswitha,

ich hätte da auch eine Frage:
meine sehr lehrn bereite 2 jährige Doggenhündin (wir haben zu dem noch Ihre Mamma und einen jungen Rüden)arbeitet wiklich gerne.
wir machen zur normalen Unterordnung etwas Agility.
wie gesagt sie lehrnt schnell und gerne, als belohnung spiele ich mit ihr, da sie Leckerlie nicht sonderlich spannend findet.
Gebe ich ihr in normalem Ton einen Befehl ist alles o.k. (ich rede sehr leise mit meinen Hunden, da ich der auffassung bin, wenn ich sie "strafen" muß ist meinen erhobene Stimme viel eindruckvoller)
Wenn ich nun aber z.B. den Befehl FUß etwas energischer oder zischender sage (Weil wir ohnen Leine eine Strasse überqueren wollen) sieht sie mich dabei nie an !
Ich über mit ihr das Kommando "Schau Her", d.h. ich konzentriere sie wieder auf mich (durch deuten auf meinen Nase sieht sie mich dan auch freundlich an)
Warum sucht sie so oft bei Kommandos keinen Blickkontakt ?
Wenn wir etwas neuse lernen macht sie es aber bei Kommandos die sie schon lange kennt habe ich immer das Gefühl Sie ist genervt und würdigt mich keines Blickes, nach dem Motto: ach die Alte schon wieder immer das gleiche...
wie kann ich es erreichen, das sie mich auch in solchen situationen ansieht oder wäre das sogar falsch ?
( ich habe immer den freudig arbeitenden Collie vor Augen, der seinen Herren erwartungsvoll ansieht und wedelt und auf das nächste Komando wartet)

Ich hoffe Du hast einen Tip
erwartungsvolle Grüße
Isis
:

von Martin + Mirko(YCH) am 01. Dezember 1998 12:31

Hallo Anja,

Du fragst Roswitha:

:kannst Du mir auch folgende erklären. Mein Hund vermeidet meiner Meinung nach den direkten Blickkontakt mit mir. Setze ich mich zB. vor ihn und streichel seinen Kopf, fällt mir immer wieder auf, daß er an mir vorbei schaut und mich nie direkt anguckt.

leckt dein hund sich dabei die lefzen oder in die luft?
die meisten menschen glauben, der hund mag es, wenn man ihn umarmt. das gegenteil ist eher der fall. fast alle hunde verfallen in beschwichtigungsgesten - kopfabwenden, lefzenlecken, züngeln in die luft, auf den rücken rollen - einfach mal beobachten, was macht euer hund?

zum blickkontakt: das ist sicher ein seitenlanges thema. ein wensentlicher punkt ist auch die dauer. ein kurzer ~1/4 sek. dient der koordination von aktivität, ein längerer kann eine frage sein. starren und verschleierter blick ("schau mir in die augen kleines" (?)) sind ein riesenunterschied. man sollte sich nur einmal selber beobachten. wie lange kann ich im fahrstuhl einen fremden menschen bei 1/2 m entfernung in die augen schauen, ohne daß es aufdringlich-unhöflich wirkt? wie ermuntere ich einen anderen mitzumachen (freiwillige vor)? wie sage ich mit den augen stop, keinen schritt weiter?
das alles hat sehr große ähnlichkeit mit dem verhalten der hunde.

zu ängstlichkeit möchte ich noch eine bemerkung machen. solche hunde fixieren genau wie ängstliche menschen, um ja keine bewegung zu übersehen. ängstlichen menschen empfehle ich den hundeschwanz ins auge zu nehmen. dann haben sie den hund im blick, der aber fühlt sich deutlich weniger bedroht.
ängstlichen hunden nähere ich mich im zweifelsfalle wie zufällig rückwärts mit einem leckerle in der hand. ist das erste eis gebrochen wird aber aufnahme des blickkontaktes bestärkt (C&cool smiley. es ist dann erstaunlich zu sehen, wie oft solche hunde dann beim spazierengehen blickkontakt aufnehmen, um "sicherheit nachzutanken"

das schlimme an vielen hundehaltern ist, daß sie auf den blickkontakt ihres hundes überhaupt nicht eingehen, nachher aber riesig rumschimpfen, wenn er etwas macht, was er nicht soll. der hund hat bestimmt gefragt, wenn nicht jetzt, dann früher. mensch hat geantwortet "mach, was du willst" - aber das paßt ihm dann nicht. so ist es oft.

tschüß martin & mirko




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