Moritz: Nachruf für einen Todgeweihten :: Hundeerziehung + Soziales

Moritz: Nachruf für einen Todgeweihten

von Harald(YCH) am 05. Juni 1999 20:11

Hallo Kine!

: Nach seinen "Aggressions-Attacken" ist er plötzlich wieder der bravste, besterzogenste Hund...

wie bei Moritz...

:
: Mit anderen Hunden konnte er anfangs nicht spielen, stand immer nur dabei und guckte ziemlich blöd aus der Wäsche, was die anderen denn da so machen... Da musste schon ein sehr ausgeflippter West-Highland-Terrier-Mischling her, der ihn Tag für Tag zum spielen aufgefordert hat, irgendwann hat Siggi dann mitgemacht smiling smiley
:

Nicht so bei Moritz: er spielte wunderbar mit anderen Hunden. Auch mit Welpen.
Im Tierheim erzählten sie mir, er würde andere Rüden hemmungslos
anfallen und ich sollte sehr vorsichtig mit ihm sein. Tatsache war, dass er nur
auf andere Hunde reagierte -- er agierte nie als erster!
Wenn wir unterwegs andere Hunde trafen und beide waren nicht angeleint (wenn man
nicht schnell genug war...), hat sich Moritz sogar sehr defensiv, fast ängstlich
verhalten. Er ging zwar schnuppernd auf den anderen Hund zu (egal ob Rüde oder Hündin),
kam aber immer sehr bald zurück und setzte sich dann hinter mir hin während ich mich
mit dem anderen Hundebesitzer unterhielt.

Trumlers These hat sich bei Moritz voll bestätigt: er konnte auf Anhieb mit den
anderen Hunden spielen, mit Menschen lief nichts.

: Ich hätte mir gewünscht, Hilfe vom Tierheim zu bekommen, in dem er immerhin fast ein halbes Jahr verbracht hat. Ich habe anfangs sicherlich sehr viel falsch gemacht (und mache es jetzt bestimmt auch noch...)
: Mir wurde über Siggi vom Tierheim nur mitgeteilt, dass er eventuell Kindern gegenüber aggressiv sein KÖNNTE.
: Gerade Hunde mit solchen Vorgeschichten und Charaktereigenschaften sollten nicht "einfach so" vermittelt werden, denn jeder gescheiterte Versuch verschlimmert natürlich das Verhalten (&ggf. auch die Störungen)des Hundes!
:
: Sicherlich ist es schön, wenn sich jemand für diese Hunde interessiert,
: (oftmals leider in erster Linie wegen des Aussehens - ich spreche aus Erfahrung...), aber solche Hunde gehören NICHT in Familien mit Kleinkindern, sondern in erfahrene Hände, die sich dessen bewusst sind, was da auf sie zukommt!!
:

Ich finde, wir sollten nicht so sehr auf den Tierheimen herumhacken.
Wenn es die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht gäbe, würden die meisten
Tierheime dichtmachen können.
Allerdings sollte man schon von "Hundeprofis" erwarten können, dass sie
sich genügend belesen und bestimmtes Verhalten erkennen und richtig
einschätzen können.
Fast alle Beobachtungen, die mir als Tips über Moritz auf den Weg gegeben wurden,
haben sich als nicht zutreffend herausgestellt.
Die einzige Aussage die stimmte war: es ist ein schwieriger Hund.

Harald.


von Mela(YCH) am 05. Juni 1999 20:17

: Ich hätte mir gewünscht, Hilfe vom Tierheim zu bekommen, in dem er immerhin fast ein halbes Jahr verbracht hat. Ich habe anfangs sicherlich sehr viel falsch gemacht (und mache es jetzt bestimmt auch noch...)
: Mir wurde über Siggi vom Tierheim nur mitgeteilt, dass er eventuell Kindern gegenüber aggressiv sein KÖNNTE.
:
: Liebe Grüsse
:
: Kine
:
:Hallo Kine,

auch Dich muß ich jetzt einfach mal fragen, aus welchen Tierheimen ihr diese Tiere habt??? Ich finde es echt kraß, was manche Kollegen (ich arbeite auch in einem Tierheim, aber scheinbar sind wir eine der wenigen Unterkünfte, die mit ihren Tieren auch arbeiten und sie nicht nur verpflegen und froh sind, sie loszubekommen) für ne einstellung haben.
wir halten eigentlich immer kontakt, über telefon wenn nötig arbeitet auch unser therapeut weiterhin mit den hunden...
es ist echt mies wenn solche geschichten wie die von moritz laufen, denn dieser hund hätte eigentlich eine fast 100%ige Chance gehabt.
Gruß
Mela
:
:
:
:

von Kine(YCH) am 05. Juni 1999 20:34

Hallo Mela!

: auch Dich muß ich jetzt einfach mal fragen, aus welchen Tierheimen ihr diese Tiere habt??? Ich finde es echt kraß, was manche Kollegen (ich arbeite auch in einem Tierheim, aber scheinbar sind wir eine der wenigen Unterkünfte, die mit ihren Tieren auch arbeiten und sie nicht nur verpflegen und froh sind, sie loszubekommen) für ne einstellung haben.
: wir halten eigentlich immer kontakt, über telefon wenn nötig arbeitet auch unser therapeut weiterhin mit den hunden...

Das ist das erste Mal, das ich höre, dass ein Tierheim so etwas macht...
In welchem Tierheim arbeitest Du denn?

Harald hat vielleicht recht in seiner letzten Meldung an mich.
Es sind sicherlich viele ehrenamtliche Helfer da, ohne die viel Arbeit
liegen bleiben würde. Das muss man auch anerkennen.

Bei der Anzahl von Hunden dort kann man sich vielleicht
auch nicht unbedingt immer um alle 100%ig bemühen.

Aber ich denke, dass eine gewisse Kompetenz und ein Engagement von GANZEM Herzen auch von ehrenamtlichen Helfern erwartet werden kann.

Bei vielen "Problem-Hunden" - so erscheint es mir zumindest - wird viel zu schnell aufgegeben ("dafür bleibt die Zeit einfach nicht" habe ich als Begründung dafür schon gehört). Durch falsche und somit oft mehrfache Vermittlung, so sehe ich es, macht man die Hunde "kaputt".
Nunja, ich habe von den Tierheimen, die ich kennengelernt habe, keine gute Meinung (ich bin auch völlig gegen eine dauerhafte Zwingerhaltung, vielleicht sagt das einiges).

Siggi habe ich aus dem Tierheim Wilhelmshaven, war allerdings im November 1997, mittlerweile scheint sich dort (hoffentlich!) was geändert zu haben.

Schöne Grüsse

Kine

P.S.: Gut, ich könnte es ja auch so machen, dass ICH ehrenamtlich anfange, dort zu arbeiten. Dafür habe ich momentan allerdings leider keine Zeit. Ich hoffe, das ändert sich bald!
Denn immer nur meckern, hilft nicht weiter und löst keine Probleme!!!




von Mela(YCH) am 05. Juni 1999 20:26

: Ich finde, wir sollten nicht so sehr auf den Tierheimen herumhacken.
: Wenn es die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht gäbe, würden die meisten
: Tierheime dichtmachen können.
: Allerdings sollte man schon von "Hundeprofis" erwarten können, dass sie
: sich genügend belesen und bestimmtes Verhalten erkennen und richtig
: einschätzen können.
: Fast alle Beobachtungen, die mir als Tips über Moritz auf den Weg gegeben wurden,
: haben sich als nicht zutreffend herausgestellt.
: Die einzige Aussage die stimmte war: es ist ein schwieriger Hund.
:
: Harald.
:
:Hallo Harald,

nett daß du so denkst, im großen und ganzen hast du auch recht, aber wir (Pfleger etc.) bekommen unser Geld dafür, unsere arbeit zu tun!!! und die besteht daraus, auch "versaute" hunde wieder ins leben zurückzuführen und das mit liebe und konsequenz und wenn nötig auch mit hilfe anderer. lesen ist nicht alles, präzedenzfälle sind gut, praxis besser und ich kann kein tierheim leiten (!!!) wenn ich keinen blassen schimmer habe!!! Sorry, war jjetzt vielleicht etwas kraß, aber ich liebe jedes einzelne tier bei uns im tierheim und könnte es nicht verantworten, wenn mit einem hund von uns das selbe passieren würde, wie mit moritz....
Gruß, Mela

von Harald(YCH) am 05. Juni 1999 20:41

: : Ich finde, wir sollten nicht so sehr auf den Tierheimen herumhacken.
: : Wenn es die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht gäbe, würden die meisten
: : Tierheime dichtmachen können.
: : Allerdings sollte man schon von "Hundeprofis" erwarten können, dass sie
: : sich genügend belesen und bestimmtes Verhalten erkennen und richtig
: : einschätzen können.
: : Fast alle Beobachtungen, die mir als Tips über Moritz auf den Weg gegeben wurden,
: : haben sich als nicht zutreffend herausgestellt.
: : Die einzige Aussage die stimmte war: es ist ein schwieriger Hund.
: :
: : Harald.
: :
: :Hallo Harald,
:
: nett daß du so denkst, im großen und ganzen hast du auch recht, aber wir (Pfleger etc.) bekommen unser Geld dafür, unsere arbeit zu tun!!! und die besteht daraus, auch "versaute" hunde wieder ins leben zurückzuführen und das mit liebe und konsequenz und wenn nötig auch mit hilfe anderer. lesen ist nicht alles, präzedenzfälle sind gut, praxis besser und ich kann kein tierheim leiten (!!!) wenn ich keinen blassen schimmer habe!!! Sorry, war jjetzt vielleicht etwas kraß, aber ich liebe jedes einzelne tier bei uns im tierheim und könnte es nicht verantworten, wenn mit einem hund von uns das selbe passieren würde, wie mit moritz....
: Gruß, Mela
:

In Moritz's Tierheim gibt es keine bezahlten Pfleger.
Der Leiter ist die Frau eines Tierarztes -- weil es sonst keiner macht.
Betreut werden die Zwinger von einer Bäuerin, die ganz in der Nähe
wohnt. Auch die macht es bestimmt nicht des Geldes wegen.
Soviel zur Ehrenamtlichkeit...

Ich denke, dieses Tierheim ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel.
Was fehlt ist eine Kooperation auf breiter Ebene. Jeder wurschtelt
so vor sich hin und keiner kommt auf die Idee, die Tierheime
anständig zu organisieren. Dann würden nämlich Hunde wie Moritz
dort hin kommen, wo sie auch richtig therapiert und anschliessend
vermittelt werden können. In ein "Dorf-Tierheim" mit Mitteln, die
gerade mal für's Futter langen, gehört kein Problemhund, und wenn
er tausendmal dort abgegeben wurde!

Harald.

von Mela(YCH) am 05. Juni 1999 21:04

: Das ist das erste Mal, das ich höre, dass ein Tierheim so etwas macht...
: In welchem Tierheim arbeitest Du denn?
:
Ich arbeite im Tierheim Starnberg und bin auch über 3 Jahre ehrenamtlich Arbeit dazu gekommen und habe dann meinen gut bezahlten Job irgendwann mal aufgegeben.
Starnnberg liegt übrigens in Oberbayern bei München.
Auch bei uns lief es nicht immer so wie jetzt, sondern die Handhabe ist seit ca. 5 Monaten so, und es zahlt sich aus, die Vermittlungserfolge sind gigantisch gestiegen, Hunde kommen nicht mehr zurück, weil sie einfach nicht mehr vorschnell abgegeben werden, das alles haben wir letzlich Herrn Fichtlmeier (unser Therapeut) zu verdanken, der Mann ist gigantisch.... wenn ich irgendwann mal nur die hälfte von dem kann, was er kann und weiß, dann bin ich dankbar...

: Aber ich denke, dass eine gewisse Kompetenz und ein Engagement von GANZEM Herzen auch von ehrenamtlichen Helfern erwartet werden kann.

Aber sicher, entweder ich tu etwas 100%ig oder gar nicht, halbe Sachen gibt es nicht und Kompromisse erst recht nicht.
Hunde sind opportun und machen aus allem das beste (für sie)und genau da setzen wir an und es funktioniert.

: Bei vielen "Problem-Hunden" - so erscheint es mir zumindest - wird viel zu schnell aufgegeben ("dafür bleibt die Zeit einfach nicht" habe ich als Begründung dafür schon gehört). Durch falsche und somit oft mehrfache Vermittlung, so sehe ich es, macht man die Hunde "kaputt".
: Nunja, ich habe von den Tierheimen, die ich kennengelernt habe, keine gute Meinung (ich bin auch völlig gegen eine dauerhafte Zwingerhaltung, vielleicht sagt das einiges).
:
Zwingerhaltung gibt es bei uns leider nachts auch noch (Einzelhaft) aufgrund der etwas älteren Zwingeranlage, aber tagsüber gibte es kleinere Rudel, um den Überblick zu bewahren und auch den Problemhunden eine Chance zu geben.
Und aufgeben kommt wirklich erst dann in Frage, wenn Fichti sagt, es geht nichts mehr - und das passiert hoffentlich nie...

Liebe Grüße,
Melanie


:
: P.S.: Gut, ich könnte es ja auch so machen, dass ICH ehrenamtlich anfange, dort zu arbeiten. Dafür habe ich momentan allerdings leider keine Zeit. Ich hoffe, das ändert sich bald!
: Denn immer nur meckern, hilft nicht weiter und löst keine Probleme!!!
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