Moritz: Nachruf für einen Todgeweihten :: Hundeerziehung + Soziales

Moritz: Nachruf für einen Todgeweihten

von Harald(YCH) am 06. Juni 1999 12:07

: Lieber Harald!
: Ich habe Deine Nachricht durchaus sehr gewissenhaft gelesen! Schade, daß Du Dir wohl andere Antworten erhofft hast, und Dir insofern meine Meinung nicht gefallen hat.

In der Tat habe ich mir erhofft, dass jemand vielleicht antwortet und
einen ähnlichen Fall schildert, der gut ausgegangen ist. Oder dass
jemand gezielt fragt und aus den Antworten Schlüsse zieht, mit denen
wir alle was anfangen können. Dass ich einen grossen Fehler gemacht
habe, weiss ich selbst: Ich habe mich gründlich überschätzt, als ich
sah, dass der Hund mir gehorcht (was er vorher bei _keinem_ getan hatte!).
Selbst die Tatsache, erst mal nur dem Hund noch ein paar schöne
Wochen vor seinem (vermeintlich) unabwendbaren Schicksal zu verschaffen,
oder ihn durch die Übungen auf dem Hundeplatz einem anderen zu
vermitteln, bergen bereits die unterschwellige Absicht, ihn doch
selbst behalten zu wollen. So etwas werde ich nie wieder tun!

: Aber Du hast um ein Statement gebeten und nur dieses habe ich gegeben. Natürlich muß ein Hund ganz individuell erzogen werden und meine Punkte, die ich Dir genannt habe waren auch nur Vermutungen. Ich kenne Deinen Hund nicht und kann deshalb auch sein Problem nicht genau beurteilen.
: Aber trotzdem stellt sich mir die Frage, was Du vielleicht anders hättest machen können.

Genau das ist es!
Eine Antwort ist natürlich klar geworden: Problemhunde gehören in
keine Familie mit Kindern. Unter keinen Umständen und auch dann nicht,
wenn die Rahmenbedingungen noch so perfekt scheinen sollten.
Das habe ich kapiert.

Aber: wie viele Problemhunde leben bereits in Familien und wo tickt
überall die Zeitbombe? Woran kann man erkennen, dass es irgendwann
ein Problem gibt. Insbesonders bei Moritz: woran hätte ich erkennen
können, dass er demnächst "ausrastet" ?
Darauf suche ich Antworten und es wäre schön, wenn alle gemeinsam
ihre Erfahrungen einbrächten und am Ende der Diskussion jeder was
gelernt hat.

: Wie lange hattest Du denn den Hund?

steht in diversen Mails: 8 Wochen.

: Bist Du mit ihm in eine Hundeschule gegangen?

dto.: ja.

: Hast Du einen Problemhundekurs besucht?

Nein.

: Ich glaube schon, daß man den Hund hätte wieder hinkriegen können.
: Aber soetwas dauert, benötigt qualifizierte Hilfe und viel Arbeit!

Mal konkret: ich bin mir im Moment nicht sicher,
ob Moritz bereits alles hinter sich hat. Es sollte übers Wochenende
passieren. Die Tierheimleitung kann ich im Moment nicht erreichen,
aber irgendwie erwische ich schon jemand.

Würdest Du ihn nehmen?
Oder irgend jemand anderes?

Vielleicht kann man ja noch was erreichen.

Harald.

von Kine(YCH) am 06. Juni 1999 12:18

Hallo Simone!

Wie Du vielleicht gelesen hast, habe ich auch einen sogenannten "Problem-Hund", der einerseits ein sehr dominantes Wesen hat, andererseits aber wohl schon genug miterlebt hat, dass er anfangs
einfach kein richtiges Vertrauen zu Menschen haben konnte.

: Du hast durch die Leckerchen zwar geschafft, daß Dein Hund, um eben dieses zu bekommen, erst mal hört, aber deshalb hast Du nicht die Rudelführung erlangt! Und hier sehe ich auch ein Problem in der Erziehung mit Leckerchen. Das wichtigste ist immer, daß der Hund zuerst begreift, daß Du sein Chef bist. Und das auch Deine Frau und Dein Kind im Rudel höher stehen als er. Ansonsten kann es schlimmsten Falls passieren, daß wenn Du mal kein Leckerchen hast, er Dir gegenüber aggressiv wird, eben weil er es haben will.
:

Dann verrate mir bitte mal, wie Du anfangen würdest bei so einem Hund!
Auch ich habe Siggi mit Leckerchen "rumgekriegt".
Die ganze Erziehung baut auf Leckerchen auf (wie willst Du es sonst bei einem solchen Hund machen????????) Mein Siggi hat, ist egal was auch immer er haben wollte, für alles geknurrt, sich sogar vor die Tür
gesetzt und diese böse angeknurrt, wenn er raus wollte...
Siggi hat immer nur Leckerchen bekommen, wenn er dafür einen Befehl
ohne zu Knurren ausgeführt hat. Das hat anfangs teilweise Stunden gedauert. Immer wieder musste ich das Leckerchen weglegen, denn ansonsten hätte er sichs einfach durch Angriff geholt. Irgendwann hat er dann den "Befehl" SO NICHT begriffen, begriffen, dass er nur etwas bekommt, wenn er "artig" ist....
Alles andere, ausser Leckerlis, war ihm eigentlich ziemlich egal!
Hätte ich ihn Deiner Meinung nach immer wieder (körperlich) strafen sollen??? Dann wäre er sicherlich erst richtig verstört geworden!
Davon mal abgesehen, dass ich ihn dann hätte mindestens 20 Stunden am
Tag hätte so strafen müssen...

: : Nach ein paar Tagen aber war er schlagartig wie ausgewechselt:
: : Ein vorbeifahrendes Auto wurde plötzlich angebellt,
: : einem Radfahrer drohend hinterhergelaufen, echte oder vermeintliche
: : Tiere im Wald gejagt und das Kommando "Komm" geflissentlich überhört.

: : Da ich mich unter keinen Umständen anknurren lassen will,
: : massregelte ich ihn mit beiden Händen durch Hochnehmen und
: : anschliessendem Runterdrücken am Hals. Er warf sich dann auch
: : auf den Rücken und es schien alles wieder gut.
: Ich denke, daß Deine Maßregelung nicht streng genug war. Die Rangordnung war noch nicht geklärt. Ich denke es ist besser, in solchen Fällen den Hund kurz aber kräftig zu bestrafen, als daß es so weit kommt, daß der Hund eingeschläfert werden muß.:

Nochmal meine Frage: wie denn massregeln?

: Du warst mit Sicherheit nicht zu streng mit ihm Im Gegenteil denke ich eher. Wieso hast Du es nicht erst mal mit einer guten Hundeschule versucht? Ich verstehe nicht, wie Du Dir einen Problemhund nehmen konntest und dann ihn so schnell wieder aufgegeben hast. Deshalb haben doch solche Hunde so große Probleme. Jeder findet den Hund süß, aber keiner denkt darüber nach, was es heißr einen Hund zu erziehen.

Da könnte ich Dir recht geben. Bei Siggi hat es ein Jahr gedauert, bis es so einigermassen ging.... (sicherlich auch durch viele Fehler von mir)

: Ich möchte Dich deshalb bitten, Dich nächstesmal besser vorher zu informieren.

Macht er doch gerade! :-)

Liebe Grüsse

Kine




von Juliane(YCH) am 06. Juni 1999 12:24

Hallo, Mela!
Diese Meinung kann ich so trotzdem nicht akzeptieren. Natürlich "spielt" der Hund nicht im eigentlichen Sinne, sondern er folgt seinem Beutetrieb. Das tun alle Hunde, egal, ob sie einen Jagdtrieb haben oder nicht. Mit dem "Spielen" kann man in der Erziehung aber sehr viel erreichen (siehe Ekard Lind). Ein Hundehalter, der seinen Hund wie einen Hund behandelt und ihm einen festen Platz in der Rangordnung gegeben hat, wird seinen Hund trotzdem vom Jagen abhalten können.
Es ist eine gute Übung, den Ball vor dem Hund hin- und herzurollen, um den Abbruch einer Jagdhandlung zu trainieren, aber total falsch ist es, den Hund dafür zu belohnen, wenn er nicht hinterhergejagt ist.
Gruss, Juliane

von Aurelia Enderli(YCH) am 06. Juni 1999 12:18


Um Gottes Willen bringt Moritz her!

Ich habe mir einige Zeilen von den Problemchen gelesen! Bitte bringt mir den Hund her.
Ich habe mit meinem Chef gesprochen und er ist einverstanden, dass wir uns der Sache kostenlos annehmen.

Hans Schlegel wird sich persönlich um den Hund kümmern.

Ruft mich an!

+41-62-875-2500

Mit positiven Grüssen
Aurelia

von Kine(YCH) am 06. Juni 1999 12:37

Lieber Harald!

: In der Tat habe ich mir erhofft, dass jemand vielleicht antwortet und
: einen ähnlichen Fall schildert, der gut ausgegangen ist. Oder dass
: jemand gezielt fragt und aus den Antworten Schlüsse zieht, mit denen
: wir alle was anfangen können. Dass ich einen grossen Fehler gemacht
: habe, weiss ich selbst: Ich habe mich gründlich überschätzt, als ich
: sah, dass der Hund mir gehorcht (was er vorher bei _keinem_ getan hatte!).

Ich nun wieder mit meinem kleinen dominanten "Engelchen"... smiling smiley)

Siggi hat draussen eigentlich fasst immer gut gehorcht, drinnen jedoch war (ist?) er ein "Haustyrann", vielleicht, weil er sich dort sicherer fühlt...
ihn "schärfer" anzusprechen war anfangs schon Grund genug für eine "Aggressionsattacke" seinerseits...

Gut draussen gehorchen heisst nicht unbedingt, dass er die "Rudelführung" akzeptiert... (das habe ich lernen müssen..)
Bei Siggi habe ich aber anfangs einen entscheidenden Fehler gemacht:
Ich habe gedacht: "Du armer kleiner Hund, was haben sie Dir bloss angetan, dass Du so aggressiv sein musst..." darauf, dass er auch einfach "nur" ein kleines dominantes A... sein könnte, bin ich leider erst sehr spät gekommen...
Alles in allem hat es 1 Jahr gedauert, bis wir einigermassen "zueinander" gefunden haben... bis das Zusammenleben wirklich erträglich bis gut geworden ist...
Auch jetzt würde Siggi es bestimmt am liebsten immer mal wieder probieren, aber ich habe gelernt, ihn einzuschätzen (hoffentlich!).
Nunja, und er hat "schon" seit Ostern dieses Jahres keine "Aggressions-Attacken" mehr bekommen... :-))

Bei Siggi ist es so, dass ich so alle 6 - 8 Wochen damit rechnen muss, dass er mal wieder versuchen möchte, die Rangordnung umzukrempeln...
Ich hoffe immer wieder, dass wir nun damit "durch" sind. Eine Garantie
dafür gibt es sicherlich nicht. Zumindest sind die letzten "Attacken"
ohne Verletzung für mich ausgegangen. :-)))))

Mich würde interessieren, ob dieser Zeitraum von 6 - 8 Wochen "normal" ist. Leider findet man wenig ausführliche Literatur über solche Hunde
(oder ich hab immer die "falsche" gefunden).

Auch ich würde mich freuen, wenn andere Leute über ihre Erfahrungen mit solchen Hunden berichten würden, denn daraus kann man sicherlich viel lernen!!! Und es gibt sicherlich jetzt auch noch viel, was ich falsch mache bei Siggi.

: : Wie lange hattest Du denn den Hund?
:
: steht in diversen Mails: 8 Wochen.
:

Bei meinem ersten Spaziergang mit Siggi konnte ich alles mit ihm machen, das hat sich geändert, nach ca. 6 - 8 Wochen kamen dann endlich (?) seine ganzen "Eigenschaften" raus, dann hatte er sich wohl eingelebt...

:
: Mal konkret: ich bin mir im Moment nicht sicher,
: ob Moritz bereits alles hinter sich hat. Es sollte übers Wochenende
: passieren. Die Tierheimleitung kann ich im Moment nicht erreichen,
: aber irgendwie erwische ich schon jemand.
:
: Würdest Du ihn nehmen?
: Oder irgend jemand anderes?

Ich hoffe, Du hast die Meldung von Aurelia gelesen???


Liebe Grüsse

Kine

P.S.: Siggi ist auch im Fotoalbum zu sehen, kann man einem solchen Hund widerstehen?! ;-))


von Juliane(YCH) am 06. Juni 1999 12:48

Hallo, Mela!
Du erzählst hier Sachen, da interessiert es mich einfach mal, woher Du Dein Wissen hast. Das widerspricht naemlich genau den Sachen, die ich weiss und vielleicht kannst Du mich eines besseren belehren (wenn's mich überzeugt).

: Sorry, kann ich dir auch nicht sagen - allerdings muß ich dazu auch sagen, daß ich von der herkömmlichen hundeschule nicht viel halte, die tiere werden dort oft noch zusätzlich "verdorben"
: Ich hatte das vorhin schonmal einem anderen Forumsteilnehmer erklärt.
: Das Werfen oder rollen des Aportels ahmt in gewisser Weise, das Fluchtverhalten des Beutetieres nach... und bei vielen hunden ist der jagdtrieb einfach da.
: Unser Therapeut führt auch eine "Hundeschule" und das erst was uns anfangs bei der Zusammenarbeit mit ihm und den Hunden verboten wurde, war das ball- oder stöckchen spielen. Unsere Welpen bekommen im tierheim auch keine bällen etc zum spielen, sondern äpfel, möhren, etc. - aber ich denke das führt jetzt etwas zuweit.
:
Das Arbeiten auf den Hundeplätzen mit dem Spielzeug ist keinesfalls "herkömmlich". Das ist eigentlich erst richtig im Kommen.
Was glaubst Du, wie zum Beispiel die Spürhunde bei der Polizei ausgebildet werden? Z.B. die, die Rauschgift suchen? Die suchen nicht, weil sie süchtig sind oder weil sie jemandem einen Gefallen tun wollen, sondern weil sie ihr Spielzeug suchen und als Belohnung für das Suchen und Finden werden Apportier-Spiele gespielt.


: : : Hast Du ihn sofort in dem Moment als er sich freiwillig (?) auf den Rücken gelegt hat gelobt?

: es ist unheimlich wichtig, wenn du einen hund unterwirfst und er sich das gefallen läßt, ihn auch positiv zu bestätigen (würde der Alpha in der gruppe auch tun, sobald der andere am rücken liegt ist bauch lecken angesagt).

Hast Du das schon mal selbst gesehen? Das ist nämlich das erste Mal, dass ich das höre! Das bezweifele ich ganz entschieden!!

: Das ist eine klassische aufforderung zum spiel, vor allem bei hunden mit jagdtrieb, und das kläffen und auffordern kann sehr schnell vom Spiel und tobeverhalten in ein aggressives verhalten umkippen, oft schnappen die hunde dann auch zu...

Ja, genau. Da hast Du recht. Hunde fordern zum Spiel auf, indem sie
den Hintern in die Luft strecken und mit den Vorderbeinen nach unten gehen.
Aber das macht jeder Hund!!! Jeder kleinste Welpe fordert so schon seine Geschwister zum Spiel auf und nicht nur, wenn er ein Jagdhund ist.

: Ich kann nur nochmal betonen, daß es hier nicht an Dir lag, soviel Mühe wie du dir gegeben hast, haben sich alle anderen Vorbesitzer nicht gegeben. Schuld an dem ganzen Debakel sind hier die Leute aus dem Tierheim; man sollte erwarten, daß dort Profis arbeiten und nicht nur Leute die einfach Mitleid haben. Der Hund hätte es sicherlich schaffen können, da bin ich mir fast 100%ig sicher, aber die Weichen hätten da bereits im Tierheim gestwellt werden müssen!!!!

Ich finde es auch nicht richtig, wenn Tiere aus dem Tierheim vermittelt werden, die so problembehaftet sind. Aus der Ferne kann man aber sicherlich nicht sagen, dass Harald keine Fehler gemacht hat. Das werfe ich ihm nicht vor, denn auch ich selbst würde mir einen Problemhund aus dem Tierheim nicht zutrauen. Aber der Mensch macht, wenn er unerfahren ist doch viele Fehler, ohne es selbst zu bemerken. Das können so kleine Dinge sein, dass Harald sie vielleicht bis jetzt noch nicht als Fehler erkannt hat und deshalb auch nicht in seiner Aufarbeitung berücksichtigt hat. Wenn er mal wieder einen Hund hat und seine Erfahrungen gesammelt hat, wird er sich darüber sicher klar werden.
Nichts für ungut! Juliane

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