Freßgier :: Hundeerziehung + Soziales

Freßgier

von Andrea(YCH) am 19. April 2001 11:55

Liebe Yorkies,

am 11.04. habe ich als Yorkie-Neueinsteigerin mein Problem mit "Benny" unter dem Titel "unkontrollierbare Freßgier" geschildert und Euch um Ratschläge gebeten.
Leider gab es technische Probleme und ich konnte die Antworten über meine Mailbox einfach nicht öffnen. Auch in der Yorkie-Beitragsliste war eine große Datums-Lücke genau in dieser Zeit - schade!
Ich möchte es aber nicht versäumen, allen die mir geantwortet haben, recht herzlich dafür zu danken, auch wenn ich es leider nicht lesen konnte.
Will erneut versuchen, mein Problem zu schildern in der Hoffnung, daß es diesmal klappt:
Es geht um einen fast 7 Jahre alten Landhaarschäferhund/Collie-Mix, den ich seit 1,5 Monaten aus dem Tierheim zu mir geholt habe. Er ist sehr lieb und hört auch im allgemeinen, vergißt aber alles um ihn herum, wenn es um etwas freßbares geht. So klebt er bei Spaziergängen regelrecht mit der Nase am Boden, um etwas zu finden (in Berlin wirklich alle paar Meter null Problem). Auch komme ich an keinem Menschen mit Tüte oder Pommes in der Hand vorbei ohne daß er "geiert", d.h. entweder will er diese gleich anspringen oder er schaut ihnen minutenlang hinterher, ohne sich beruhigen zu lassen. Kurz gesagt: es ist eine Qual für Mensch und Tier. Um über die Straße zu kommen, habe ich ihm "warte" beigebracht. Das klappt - liegt aber auf der Straße etwas, daß nach Essen aussieht, siegt seine Gier. Beim Freilauf versuche ich ihn durch Spielen abzulenken, was aber nur klappt, solange er nichts eßbares wittert. So geht er seinen eigenen Weg und ich muß ihn ständig rufen, weil er eigentlich fast immer etwas in der Nase hat. Ich kann ihn doch nicht nur an der ganz kurzen Leine halten - das wäre keine Lösung.
Leider habe ich kaum Erfahrung mit Hunden und überlege, ob ich ihn deshalb mit blutendem Herzen zurückgeben muß, weil ich es in Berlin nicht in den Griff bekomme. Er hat auch schon mal zugeschnappt, vielleicht aus Angst, daß man ihm das gefundene abnehmen könnte oder das man ihn straft - keine Ahnung, seine Vorgeschichte ist recht unbekannt. Wenn er etwas gefunden hat, hört er jedenfalls überhaupt nicht auf "Pfui", "aus" oder so...was er hat, daß hat er. Anschließend streift er mit sichtlich schlechtem Gewissen um einen herum, was zeigt, daß er genau weiß, worum es geht. Aber die Freßgier ist einfach stärker.
Vielleicht hat jemand von Euch dieses Problem auch gehabt und kann mir Anregungen oder (Buch-) Tips geben, wie "Benny" und ich es doch noch schaffen können.
Für Eure Antworten wäre ich Euch sehr sehr dankbar.
Andrea

von Wilma u. Arno(YCH) am 19. April 2001 12:55

Hallo Andrea,

ich hatte Dir schon mal geantwortet, versuch das jetzt aus dem Gedächtnis noch mal zu wiederholen:
Da Du geschrieben hast, daß er auch schon mal schnappt, wenn man ihm etwas wegnehmen will und Du kaum Erfahrung mit Hunden hast, würde ich Dir ganz dringend raten Dich nach einer guten Hundeschule umzugucken.
Am besten wäre es wenn jemand Euch mind. einmal auf einem Spaziergang begleitet um zu sehen wo man ansetzen kann/muß.
Für mich klingt das alles, als hätte Euer Benny schon einigen Hunger in seinem Leben ertragen müssen, vielleicht war er zeitweise drauf angewiesen sich alles allein suchen zu müssen.
Es ist kein unlösbares, aber sicher ein schwieriges Problem.
Erste Maßnahme wäre ihn nicht mehr ganz frei, sondern an eine Schleppleine laufen zu lassen um entsprechend einwirken zu können.
Alternativ dazu in der Stadt Halti (möglichst mit Profieinweisung) oder wenn es gar nicht anders geht Maulkorb. Ich denke das ist das kleinere Übel für ihn. Denn stell Dir nur einmal vor, Du reagierst nicht schnell genug und er springt jemand an, der stürzt o. ä.
Natürlich meint IHr es nur gut mit ihm, wenn Ihr ihm Freilauf gestattet, aber das geht in seinem Fall ohne einige der obigen Maßnahmen nicht. Zum einen, weil Ihr so wie Du das schilderst ja nicht auf die Dauer damit leben könnt. Zum anderen kann er ja auch mal Gift oder verdorbenes aufnehmen.
Ich hoffe Ihr habt die Geduld mit ihm zu arbeiten. Wie gesagt, ich glaube nicht, daß Ihr das ganz allein in den Griff kriegt. Aber Ihr habt ihn ja auch noch nicht lange und ihr kämpft immerhin gegen über 7 Jahre Erfahrung an.
Ich würde Dir so als Buchtip das Kosmos Erziehungsprogramm für Hunde empfehlen. Doch wird die Handhabung von Halti und Schleppeleine auch genau erläutert.
Viele Grüße
Wilma u. Arno (auch erst mit 6 Jahren im Dezember zu mir gekommen und auch DSH-Colliemix mit einigen "Macken"winking smiley

von Heike M.-N.(YCH) am 19. April 2001 13:05

Hallo Andrea,
gib noch nicht auf, ihr seid erst seit 1,5 Monaten ein Team, das sind 6 Wochen von fast 7 Jahren Hundeleben, sei nicht zu ungeduldig, das wird schon, aber vielleicht, da Du selbst schreibst, dass Du wenig Hundeerfahrung hast, nicht ganz ohne professionelle Hilfe gehen.
Wer weiß, was Benny in seinem bisherigen Leben erlebt hat, vielleicht mußte er immer um sein Fressen kämpfen ?
Schau Dich nach einer Hundeschule um, in Berlin gibt es sicher einige gute und vertrauenswürdige, damit Benny lernt, Grundbefehle und Begriffe zu akzeptieren. Mit einem älteren Hund sicher nicht so einfach wie mit einem Welpen, aber sicherlich lernbar. Gibt es etwas, was Benny überhaupt nicht mag ? Zitrone oder sowas ? Geh mit ihm eine Übungsstrecke, leg Zitrone oder eben das, was er nicht leiden kann, aus (wenn er nicht hinguckt) und dann, wenn er die Nase rümpft, ein deutliches "nein", zu Dir locken und belohnen mit eigenen Leckerchen, wenn er es nicht frißt. Überhaupt, es sollte ihn jetzt nur eine Person füttern, keine Leckerchen nebenbei (außer beim Üben), nicht in Geschäften oder sonstwo. Er kriegt nur was bei Dir. Jeder Hund ist anders, aber vielleicht hast Du mit dieser Methode Erfolg.
Ich habe mir damals, als wir unser Mädel geholt haben, das Buch "die unsichtbare Leine" gekauft, ich weiss leider den Autor nicht mehr, aber Du kriegst es bestimmt über jede Buchhandlung, es ist meines Erachtens das beste Buch über Hundeerziehung.
Gruss und viel Erfolg
Heike

von Nicole(YCH) am 19. April 2001 15:01

Hallo Andrea,

Eineinhalb Monate sind tatsächlich nicht lange - bei mir und Dschampa hat es erst nach über einem halben Jahr (habe sie auch fast siebenjährig aus dem Tierheim geholt)sowas wie einen Durchbruch gegeben. (Und ich habe SEHR oft indieser Zeit gezweifelt, ob es je eine Besserung geben wird: Dschampa wollte auf jeden anderen Hund los, schnappte nach Fremden und meinem Mitbewohner ...)Professionelle Hilfe finde ich - auch aus eigener Erfahrung - sinnvoll, allein schon um ein bisschen Zuversicht zu bekommen und das Problem realistischer einschätzen zu können. Hundeschule hat uns nicht viel weiter gebracht, die Einzelstunden bei einer guten Therapeutin waren viel effektiver.

Ich würde mir Bennys Fressgier zunutze machen: Also nie aus dem Haus ohne die Taschen voll Leckerlis. Wenn Benny an deiner Tasche klebt statt mit der Nase auf dem Boden, ist das doch ein erster Schritt! Wenn er was entdeckt, einfach weiterlaufen und den Hund notfalls hinterherzerren. Wenn seine Konzentration wieder auf dich gerichtet ist, loben und Leckerchen.
Du kannst auch "Guck mal" mit ihm üben: Leckerchen in Richtung deiner Nase führen, wenn Benny dich ein, zwei Sekunden anschaut, loben und Leckerchen fallen lassen. Wenn er das verknüpft hat, reicht vielleicht das "Guck-mal", um seine Aufmerksamkeit auf dich zu lenken.
Außerdem würde ich "Nein" trainieren, am besten mit Helfer und langer Leine: Leckerchen auf Boden, will er drauf zustürzen, wird er von der Leine zurückgehalten. "Nein!". Erst wenn du "Hol's" oder "Nimm" oder was auch immer sagst, wird die Leine losgelassen.

"Wenn er etwas gefunden hat, hört er jedenfalls überhaupt nicht auf "Pfui", "aus" oder so...was er hat, daß hat er."
Hast du es schon mit Tauschgeschäften probiert? Vielleicht lässt er "was er hat" gegen ein Stückchen Wienerle fallen? Kann man auch daheim gezielt üben, erstmal mit Sachen, die ihm nicht so wahnsinnig wichtig sind.
Und halt auch alle anderen Befehle üben, üben, üben...

Die Autorinnen von dem Buch, das Wilma empfohlen hat, schreiben übrigens, dass sie sich über jeden verfressenen Hund freuen, weil dieser leichter zu erziehen sei...

In diesem Sinne Kopf hoch, das wird schon,
Nicole + Dschampa



von Sylle(YCH) am 19. April 2001 14:45

Hallo,
auch ich hatte schon einmal geantwortet. Ich kann mich den ersten beiden Postings auf jeden Fall anschließen, will Dir aber Mut machen.
Wir hatten das gleiche Problem und es war mittelfristig lösbar. Konkrete Tips zu geben finde ich schwierig, weil jeder Hund anders ist und Du weißt nicht, wo die Ursachen liegen.
Mit präparierten Leckerchen konnte ich mein schlaues Mädel nicht reinlegen. Ich habe damals auch schon an Maulkorb gedacht, aus Angst vor Vergiftungen (Rattengift im Park).
Schließlich habe ich mit ihr Tauschen geübt. Zunächst Trockenübungen zu Hause und sie hat schnell kapiert, wenn sie abgibt gibts was Besseres und Lob und Streicheleinheiten dazu. Auch draußen klappte es immer beser, wobei es auch Rückschläge gab. Du brauchst auf jeden Fall einen langen Atem. Das Verhalten ist selbstbelohnend und jeder Rückfall fatal.
Mein Hund war damls aber noch komplett unerzogen und kaum sozialisiert, sodaß wir ein erhebliches Komplettprogramm absolvieren mußten.
Gib nicht auf, Eure Beziehung muß erst noch wachsen.
Grüße
Sylle

von Gabi + Sheila(YCH) am 19. April 2001 15:43

Hallo Andrea,

ist Dein Hund kastriert ? Die sind - meiner ganz persönlichen Erfahrung nach - deutlich verfressener als unkastrierte. Aber das Extrem was Dein Benny zeigt ist da natürlich auch nicht im Rahmen.

Hast Du den Hund mal beim TA durchchecken lassen ?
Nicht daß irgendeine Stoffwechselstörung zu der Freßgier führt. KEINE PANIK, war nur ein Gedanke, muß ja auch nichts Schlimmes sein.
Bloß nicht, daß Du härtere Erziehungsmaßnahmen einleitest und der arme Kerl kann nichts dafür.
Ich hatte mal eine Hündin, die sowas hatte und enorm verfressen wurde.

Oder Dein Bub ist einfach megamäßig unerzogen/verwöhnt und da haben die Vorschreiber ja genug zu gesagt ;-)).

Liebe Grüße + viel Glück !
Gabi

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